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Corydoras Zucht

Dieses Thema im Forum "Südamerika" wurde erstellt von Aqua92, 30. Januar 2020.

  1. Aqua92

    Aqua92

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    Hallo Zäme

    Wenn man Inserate studiert oder über Börsen schlendert fällt einem eines ziemlich schnell auf: Überall L-Welse, Lebendgebärende und Afrikabuntbarsche. Corydoras gehören dagegen zu den seltenen gesehenen Arten auf solchen Veranstaltungen. Ich war auch schon der Einzige mit Corydoras auf Börsen, was mich doch eher erstaunt. Trifft man diese Fische doch in beinahe jedem (südamerika) Aquarium an und bei vielen laichen einfachere Arten auch gelegentlich ab.
    Ich bin die letzen Jahre immer mehr auf Corydoras gekommen. Als ich mit der Fischzucht vor 10 Jahren begann waren Corydoras die coolen Beifische bei den L-Welsen. Als dann der Absatz der L-Welse immer mehr zu stagnieren begann und auch meine Jungfischzahlen nicht mehr so üppig waren begann ich mich immer mehr für Corydoras zu interssieren und sie auch zu züchten. Letztes Jahr war dann mein bisher bestes Jahr und ich verkaufte zusammen aus den Arten C. caudimaculatus, C. knaacki und C. similis. über 500 Stk.
    Nachfolgend möchte ich laufend meine Methoden beschreiben.

    Am Anfang steht die Konditionierung. Über den Sommer lasse ich die Becken etwas mehr gehen und wechsle seltener Wasser und füttere auch weniger. Wenn die Tage dann wieder kürzer werden beginne ich mit guter Fütterung die Fische zu konditionieren. So bekommen sie ab September idealerweise alle 2-3 Tage ordentlich Frostfutter (schwarze Mückenlarven, Artemia, Cyclops) und wenn möglich Würmer (Enchyträen, Grindal).
    Nach einigen Wochen beginne ich mit vermehrten Wasserwechseln. Bei normal schwierigen Arten reichen meistens 80% Wasserwechsel wöchentlich mit einem Leitwert um 200 µs/cm. Temperatur ist bei C. knaacki und C. similis ca. 25°C, bei C. caudimaculatus und C. gossei etwa 2°C wärmer.

    Idealerweise legt man die Wasserwechsel mit einer Regenfront zusammen. In diesem Winter beispielsweise haben meine Corydoras trotz obigen Methoden schlecht bis gar nicht gelaicht. Das sehr milde uns sonnige Wetter ist gut für Ausflügler, aber nicht für Fischzüchter. Somit habe ich mich diese Woche auch sehr über den Regen gefreut, am Montag wurde das Wetter schlechter, am Dienstag machte ich 50% Wasserwechsel und bis heute Abend haben nun C. caudimaculatus, C. gossei, C. knaacki und C. similis abgelaicht. Das Resultat sah dann so aus:
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    Wenn keine Fressfeinde (Helenas, eierfressende Fische (auch manche Cory-Arten)) im Becken sind, sammle ich die Eier nach 2-3 Tagen ab und bringe sie in kleinen Schalen zum Schlupf. Diese werden mit einem Luftschlauch leicht belüftet und ein Erlenzäpfchen sorgt dafür, dass die Eier nicht verpilzen. Einige kleine Turmdeckelschnecken sind auch sehr nützlich, da sie nur die unbefruchteten Eier fressen.
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    In den Schalen ersetze ich gelegentlich das Wasser mit Wasser aus dem Becken, in das die Jungen später kommen.

    Habe ich extrem viele Eier und befinden sich diese hauptsächlich in den Laichmopps lasse ich die Jungen direkt in kleinen Aquarien schlüpfen. Das erspart dann das Aufwändige absammeln der Eier aus den Laichmopps.

    Mehr folgt.

    Gruess Jonas
     
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  2. Susaloo

    Susaloo

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    Lieber Jonas

    Ich bin sehr gespannt auf deinen weiteren Bericht, denn ich habe auch gerade frisch geschlüpfte Sterbais. Genau wie du habe ich die Eier im AQ abgesammelt und in Schalen mit TDS und etwas Seemandelbaumblatt getan. Nicht angesammelte Eier werden bei mir gefressen. Die Schalen habe ich im AQ auf Querstreben oben gestellt, so haben sie die gleiche Temperatur wie das Aquarium (26-27 Grad). Nachdem die Kleinen alle geschlüpft waren, habe ich einen Einhängekasten im AQ montiert, etwas Sand mit TDS auf den Boden, das Seemandelbaumblatt zum Verstecken auf den Sandboden gelegt und ein paar überschüssige Pflanzenteile quasi als Schwimmpflanzen zum Abdunkeln dazugegeben. Ein paar Blasenschnecken sind mit den Pflanzen mitgekommen. Die kleinen Sterbais entwickeln sich und sind jetzt etwa eine gute Woche alt.
    Meine Fragen:
    - Ich überlege, gegen den gefürchteten Bakterienfilm im Einhängekasten noch eine Helmschnecke einzusetzen. Hat jemand Erfahrung damit? Seitenwände regelmässig mit einem Schwämmchen putzen, oder würde die Schnecke genügen?
    - Hat der Einhängekasten genügend Versorgung mit frischen Wasser und Sauerstoff, oder sollte ich eine kleine Pumpe oder einen Sprudler einhängen? Der Kasten hat an zwei Seiten ein sehr feines Netz, das ich in die Strömung ausgerichtet habe, aber die Wasseroberfläche im Kasten ist unbewegt. Ich weiss nicht, wie gut der Wasseraustausch im Kasten dadurch funktioniert.

    Liebe Grüsse
    Susanne
     
  3. Aqua92

    Aqua92

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    Hallo Zäme

    Danke für die vielen Reaktionen.
    Da dieser Forenberich möglichst Faktenlastig sein soll, habe ich einen Diskussionsthread aufgemacht, in dem alle eingeladen sind Fragen zu stellen und sich an der Diskussion zu beteiligen. Der Thread ist hier: https://www.aquarium.ch/index.php?threads/corydoras-zucht-diskussionen.64275/

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    Inzwischen sind die ersten Larven geschlüpft.
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    Wie man auf dem Foto sehen kann, habe ich nicht alle unbefruchteten Einer entfernt (und die TDS habens auch nicht gemacht). Bei C. similis scheint der gesunde Laich jedoch nicht so anfällig auf Verpilzung zu sein und es gibt nur wenige gesunde Eier, die von dem Pilz befallen wurden. Deshalb erspare ich mir den Zusatzaufwand manchmal und entferne nicht alle unbefruchteten Eier.
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    Die Larven lasse ich nun noch für etwa 2-3 Tage in den Schalen, bevor ich sie in andere Behälter umsiedle.

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    Bis Dahin noch einige Angaben zu meinen Zuchtbecken.
    Ich halte und züchte die meisten Arten in 60er Becken in Gruppen von 10-15 Corydoras. Als Einrichtung habe ich immer etwas Sand, einen Unterstand (Wurzel oder Steinaufbau) unter dem sich die Tiere gerne zurückziehen, sowie einige Pflanzen und einen Laichmopp. Laub und Erlenzapfen sind gut für das Wasserklima und dürfen also auch nicht fehlen. Hier einige Bilder:
    C. similis
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    C. knaacki
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    C. caudimaculatus
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    C. eques. Das Becken ist 60x40x30 cm3, somit habe ich noch Platz für einige Salmler. Die Salmler haben Vor- und Nachteile. Positiv finde ich, dass sie das schwimmende Futter verspeisen. Gerade weisse Mülas schwimmen gerne oben auf. Ohne Salmler landen diese meist unbeachtet im Filter. Negativ ist ihre räuberische Art. Erwische ich nicht alle Eier, kommen die geschlüpften Jungen selten hoch. Ohne Salmler kann man bei guter Fütterung problemlos eine stattliche Anzahl Junge bei den Eltern aufziehen.
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    Mein Regal besteht aus 120x60 cm2 Becken. Diese sind unterteilt und somit nur auf der kurzen Seite einsehbar. Ich sehe sie deshalb etwas weniger, dafür haben sie mehr Ruhe was für die Zucht förderlich ist.

    Gruess Jonas
     
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  4. Aqua92

    Aqua92

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    Hallo Zäme

    Die jungen Corys wachsen gut :)
    Für die Aufzucht habe ich ein kleines Regal mit 20 l Becken zu einer Kreislaufanlage zusammen geschlossen. Einen kleinen Wasserwechsel habe ich dadurch in 2 min gemacht (das unterste Becken dient als Reservoir und wird beim Wasserwechsel komplett geleert und wieder befüllt).
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    In den Becken ziehe ich Salmler und Corydoras zusammen auf. Das funktioniert sehr gut, da sich die Salmler nicht für die Artemien am Boden interessieren und es deshalb bei reinen Salmleraufzuchtbecken gerne einen Belag am Boden gibt. Mit Corys drin habe ich dieses Problem nicht.

    Einige Corys ca. 2 Wochen nach dem Schlupf:
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    3-4 Wochen nach dem Schlupf:
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    und noch etwas älter. Wohl C. gossei:
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    Als Futter gibt es zweimal täglich frische Artemia Nauplien oder Mikrowürmer, wenn etwas grösser dann auch mal gefrostete Cyclops oder Grindalwürmer.

    Ich ziehe die Fische am liebsten nach Art getrennt auf. Momentan habe ich aber zu wenig Platz und somit kommen eben alle gleich alten Larven in ein Becken, wo sie zusammen heranwachsen, was recht gut funktioniert. Nur für C. eversi ist das suboptimal, da diese bei mir sehr langsam heranwachsen.

    Die letzten Jahren hatte ich immer wieder sehr hohe Ausfallraten, wenn ich Corys in EHK's aufgezogen habe. Direkt nach dem Umsetzen sind mir manchmal fast alle innerhalb der ersten Tage weggestorben.
    Ich dachte lange, dass unterschiedliche Wasserwerte in den Aufzuchtschalen und EHK's das Problem sind. Die Salmler schlüpfen bei mir in LW <50 µs/cm, Corys bei ca. 150-200 µs/cm. Ich tausche gelegentlich das Wasser aus den Brutschalen der Corys mit jenem aus den Salmlerbecken, so werden die Corylarven etwas an das weiche Wasser angewöhnt. Das Umsetzen in die kleinen Becken erfolgt dann meist ohne grosse Angewöhnung und trotzdem konnte ich nie grosse Ausfälle feststellen. Somit bin ich mir nicht mehr so sicher mit meiner These zu den EHK-Ausfällen. Ich habe jetzt eher die Strömung in Verdacht, da diese in EHK's schnell recht gross wird.

    Gruess Jonas
     
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