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Buckelkopfbuntbarsch Kinderstube

Dieses Thema im Forum "Haltung: Fische" wurde erstellt von Ruru, 5. August 2014.

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  1. Ruru

    Ruru

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    Guten Tag zusammen,

    Ich habe mir vor gut drei Wochen ein Buckelkopfbuntbarschpärchen (Steatocranus casuarius) für mein Gesellschaftsbecken geholt. Am Anfang wusste die Verkäuferin nicht einmal ob sie mir nun ein Männchen und ein Weibchen verkauft hatte, aber wie ihr im Titel erahnen könnt, war das so der Fall.
    Selbst hier im Forum steht wenig über diese Tiere, darum werde ich versuchen, für spätere Buckelkopf-Aquarianer, ein möglichst genauer Beschreib über das Verhalten und das Halten der Fische zu liefern.

    In den ersten Tagen besetzte das deutlich kleinere Weibchen sofort den Welshölenstapel, sehr zum Leid der Welse, die sich nun jedoch den Stein/Schieferhaufen geschnappt haben, in dem es genügend Höhlen und Ritzen für sie gibt.

    Die Fische sind sehr scheue Tiere und am Anfang war es schwer diese gezielt zu füttern, da ich sehr schnelle Rotkopfsalmler im Becken haben. Als Lösung führte ich ein, dass ich mit meiner Hand (Unglücklicherweise bemerkte ich so, dass ich eine Allergie gegen das die Mückenlarven habe) aufgetaute rote Mückenlarven im Becken verteilte und eine extra Portion in der Nähe der Welshöhlen platzierte. Dadurch halte ich es so, dass ich jeden zweiten Tag füttere, damit die schnellen Fische sich nicht überfressen können. Als Tipp: Ich schaue auf die Form der schmalen Rotköpfe und falls diese wieder schön schmal sind, wird wieder Futter verteilt.

    Nach einer Woche bemerkte ich wie das Männchen ein rundes, gelbes etwas ausspuckte, in der Grösse eines Kiesels. Es konnte nicht sein, dass es sich um Bodengrund oder Dünger handelte, da mein Kies schwarz ist und ich weisse Düngerkugeln für die Pflanzen einsetze. Schnell kam der Gedanke, dass es sich um ein Ei handeln musste, da das Männchen in der Höhle verschwand und es anscheinend rausspuckte. Da ich die nächsten Tage bemerkte, wie das Weibchen die Röhren stark beschützte, bestärkte mich das in meinen Glauben.

    Nach zwei Wochen des Kaufes sah ich, wie das Weibchen und das Männchen sich von den Tonröhren entfernten. Wahrscheinlich hatte es mit dem Wurf doch nicht geklappt und ich dachte schon, ich hätte zwei Männchen, da der kleinere Buckelkopf einen Egotrip durchs Aquarium führte und alles unter Augenschein nahm.

    Diesen Donnerstag bis Samstag fuhr ich zu meinem Freund und liess das Aquarium für sich, da die Fische vorhin noch einmal gefüttert wurden und bis jetzt nie Stress bestand, dass sie zu wenig Futter hatten.

    Als ich dann am Samstag heimkehrte und ein vertrauter Blick ins Aquarium warf, kam dann die grosse Überraschung! In der Welsröhre konnte ich ca. 1 cm kleine, gelb-grau gestreifte Individuen ausmachen. Später zählte ich an die sechs Stücke, jedoch bin ich mir bis jetzt nicht sicher, wie viele es nun wirklich sind. Sie wuselten am Boden herum und mir schien als könnten sie noch nicht richtig schwimmen. An einem Babyfisch konnte ich noch genau eine gelbe, blasenähnliche Form am Bauch ausmachen, höchstwahrscheinlich dient dies als Nahrungsreservoir für die ersten Tage.

    Die Eltern betreiben intensive Brutpflege, wobei das Weibchen das Nest stärker bewacht als das Männchen, welches nur ab und zu vorbeischaut. Ich habe jedoch auch schon beobachten können, wie ein neugieriger Babyfisch zu weit hinausschwamm und vom Männchen ?gefressen? und ins Nest zurücktransportiert worden ist.
    Diese Art der Brutpflege finde ich äusserst interessant, da dies auch meine erste Barschnachzucht ist.

    Heute Morgen entdeckte ich, wie die kleinen Fischchen immer mehr versuchen aus der Welshöhle zu schwimmen, sie scheinen jedoch noch sehr unsicher zu sein und schwimmen immer schnell wieder zurück.

    Ich werde diesen Thread in den nächsten Tagen noch weiter mit Infos füttern, wünschen wir mal das Beste für die Kleinen :D

    Fotos folgen noch

    Grüsse
    Ruma
     
  2. Fischkopp

    Fischkopp

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    Hallo Ruma

    Schöner Bericht, der hoffentlich noch fortgesetzt wird. Man liest wirklich wenig über diese Tiere und oft hat man das Gefühl, der eine habe vom anderen abgeschrieben, ohne eigene Erfahrungen. Da ich seit 2 1/2 Jahren ebenfalls "Bucklige" halte, gebe ich mal meinen Senf dazu...

    Man sieht hier mal wieder, dass es wirklich Charaktertiere sind. Von Scheu konnte von meinen nämlich vom ersten Tag an keine Rede sein. Sie sassen beim Kauf schon länger in einem Händlerbecken mit Mbunas (keine Diskussion, wir wissen alle, dass das subopimal ist), was offenbar ziemlich abgehärtet hat. Insbesondere das Männchen liess sich von niemandem die Butter vom Brot nehmen. Ich hatte mir nach längerer Betrachtung zwei (noch nicht ganz ausgewachsene) Tiere ausgesucht, die sich wie ein Pärchen verhielten. Sie schwammen schliesslich auch gleichzeitig in den Kescher.

    Zuhause angekommen kamen sie in ein 135x60x60 Becken, zusammen mit Pareutropius buffei (Schwalbenschwanz-Glaswels oder wie auch immer), Synodontis nigriventris (rückenschwimmender Kongowels) und - nicht ganz ins Biotop passend - Megalechis thoracata (gemalter Schwielenwels). Die P. buffei sind vom Schwimm- und Fressverhalten den Rotkopfsalmlern sehr ähnlich (dichter Schwarm, flink und gierig), trotzdem hatten die Buckelköpfe nie Probleme, sich zu behaupten und genügend Futter zu ergattern. Eine seltsame Vorliebe haben sie für Welschips, diese wurden gepackt, ins Versteck transportiert und dort in aller Ruhe verspeist. Auch Turmdeckelschnecken stehen hier auf dem Speiseplan.

    Auch bei mir liess die erste Brut nicht lange auf sich warten. Gebrütet wurde in einem grossen Haufen Flusssteine (einsturzsicher gestapelt), das Weibchen sass die ganze Zeit (2-3 Wochen, weiss es nicht mehr genau) im Steinhaufen, das Männchen bewachte das Brutrevier. Die Jungfische wurden erst aus der Höhle geführt, als der Dottersack vollständig aufgebraucht war. Anfangs waren die Ausflüge kurz und gingen nicht weit von der Höhle weg, beide Elterntiere hielten die Truppe zusammen und bewachten sie. Interessant war, dass die Jungtiere gezielt zu Stellen geführt wurden, wo dichter Algenaufwuchs herrschte. Vermutlich dienten die Kleinstlebewesen darin als Erstnahrung.

    Nach etwa 1 1/2 Wochen wurde der Ausflugsradius erweitert und die Jungen kehrten kaum noch in die Höhle zurück. Leider wurden die Eltern, insbesondere das Männchen, immer aggressiver, je selbstständiger sich die Brut durchs Becken bewegte. Schwielen- und Glaswelse drückten sich permanent ins Pflanzendickicht, die Rückenschwimmer sah man gar nicht mehr. Die Schwielenwelse wurden derart übel angegriffen, dass ich sie nach kurzer Zeit aus dem Becken nehmen musste. Zu diesem Zeitpunkt war keine Flosse mehr heil. Das Becken ist dicht bewachsen und durch eine riesige Wurzel sowie mehrere Steinhaufen gut strukturiert, aber das nützte alles nichts. Die Mitbewohner wurden nicht nur verjagt, sondern durchs ganze Becken verfolgt.

    Kurzfristig kehrte Ruhe ein, als die nächste Brut begann, beide Alttiere konzentrierten sich wieder auf ihren Steinhaufen. Die bis zu diesem Zeitpunkt noch fast vollzählige erste Brut (ca. 40 Tiere, ich machte mir schon ernsthaft Sorgen, wie ich die unterbringen sollte) wurde mangels Bewachung innerhalb weniger Tage fast vollständig von den Mitbewohnern gefressen.

    Was dann passierte, kann ich nur mutmassen - zwei Tage nach dem Freischwimmen war die gesamte zweite Brut gefressen worden und das Weibchen lag tot im Steinhaufen. Ich vermute, dass die Jungfische den Mitbewohnern geschmeckt haben und das Männchen anschliessend das Weibchen angriff (solche "Wutanfälle" wegen Verlust der Brut sollen bei Buntbarschen ja öfter vorkommen).

    Seitdem ist mein Männe alleine. Von der ersten Brut sind drei Tiere hochgekommen, allerdings muss ich zu einem entscheidenden Zeitpunkt der Entwicklung schlechte Wasserwerte gehabt haben (Nitritanstieg nach Tod des Weibchens?), denn sie sind kleinwüchsig und ein wenig unförmig, was sie aber nicht behindert. Da es aber alles Männchen sind und somit keine Fortpflanzung "droht", dürfen sie bei mir bleiben. Die vier Männer sind meistens zusammen unterwegs und verstehen sich gut. Seit kein Brutgeschäft mehr läuft, ist auch wieder Ruhe im Becken eingekehrt.

    Ich habe mich bewusst dagegen entschieden, es mit einem neuen Weibchen zu versuchen. Die Tiere im Handel sind meistens noch sehr klein, was schon zu Problemen führen könnte. Ausserdem hört man immer wieder davon, dass die S. casuarius praktisch monogam sind. Ich habe keine Lust darauf, mir nochmal ein Weibchen killen zu lassen, weil sie dem Herrn nicht genehm ist. Und nicht zuletzt ist mir auch der Frieden im Becken wichtig.

    Ich will dir keineswegs Angst machen! Wie gesagt, es sind Charaktertiere und mein Männchen ist sicherlich von der aggressiven Sorte (mein Mann nennt ihn liebevoll "Barschi-Arschi"). Es gibt genug Beispiele, wo es im Gesellschaftsbecken problemlos funktionierte. Und deine scheinen ja eher von der netten Sorte zu sein. Es ist aber sicher von Vorteil, wenn man ein Ausweichbecken zur Verfügung hat, in welches man die Tiere bei dringendem Bedarf ausquartieren könnte. Dazu muss natürlich das Becken auch so eingerichtet sein, dass man einen Fisch herausfangen kann. War bei mir beides nicht der Fall...

    Trotz dieses Negativberichts - viel Spass an deinen Buckelköpfen, ich finde sie auch nach wie vor ganz toll und die Brutpflege ist wirklich sehr interessant.

    Gruss Fischkopp

    PS: In deiner Signatur steht was von einem Kampffisch: falls der im gleichen Becken schwimmt - hab bitte besonders auf ihn ein Auge, den sehe ich als potenzielles Opfer, weil es kein so schneller Schwimmer ist.
     

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