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| Parthenogenetische Marmorkrebse |
| Onlinemagazin - Wirbellose | |
| Geschrieben von: Michi Tobler | |
| Freitag, den 28. November 2008 um 21:28 Uhr | |
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Beschreibung der speziellen Fortpflanzungsweise Mitte der neunziger Jahre tauchten die ersten Marmorkrebse (Procambarus sp.) im Handel auf. Dadurch dass sich diese Art leicht züchten lässt, fand sie in den Aquarien eine weite Verbreitung. Obwohl dieser Flusskrebs vergleichsweise häufig gepflegt wird, umgaben ihn doch einige Rätsel: Nicht nur ist die geographische Herkunft des Marmorkrebses unklar, auch wurde berichtet, dass die Identifizierung von männlichen Tieren bisher fehlschlug. Verschiedentlich wurde sogar vermutet, dass sich diese Krebsart ohne das Zutun von Männchen fortpflanzen kann. Ein Team um Gerhard Scholz von der Humbolt-Universität zu Berlin versuchte die offenen Fragen bezüglich der Herkunft und der Fortpflanzungsstrategie zu klären. Mittels molekularbiologischen Methoden konnte gezeigt werden, dass der Marmorkrebs nah mit Procambarus fallax aus Florida verwandt ist. Berichte von dem Marmorkrebs ähnelnden Arten stammen allerdings nicht nur aus Florida, sondern auch anderen Bundesstaaten der USA. Die genaue Identität des Marmorkrebses bleibt so noch weiter unklar. Um herauszufinden, ob es sich beim Marmorkrebs wirklich um eine parthenogenetische Art handelt, untersuchten Scholtz und seine Mitarbeiter ein Weibchen, dessen Spermienbehälter (Spermatheca oder Receptaculum seminis) keine Anzeichen von Samenpaketen (Spermatophoren) aus früheren Kopulationen mit Männchen aufwies. Trotzdem legte es wiederholt Eier, aus denen Jungetiere schlüpften. Auch nach einer Häutung, während der jegliche Spermienrückstände entfernt werden, brachte das Weibchen weiter Junge hervor. Die Jungtiere dieser Bruten waren allesamt weiblich und auch bei diesen konnten keine Spermatophoren nachgewiesen werden. Es kann also ausgeschlossen werden, dass es sich beim Marmorkrebs um einen protandrischen Hermaphroditen ("vormännlichen Zwitter") handelt. Bei 39 Tieren wurden zudem die Fortpflanzungsorgane genauer untersucht. Diese waren alle normale Ovarien ohne männliche Keimdrüsen oder Ovotestis, wie sie bei Zwittern zu finden sind. Es handelt sich beim Marmorkrebs also auch nicht um einen sich selbstbefruchtenden Zwitter. Die Jungtiere werden folglich mittels Parthenogenese (Jungfernzeugung) gebildet und sind somit Klone mit der gleichen genetischen Ausstattung wie die Mutter. Zwar pflanzen sich viele Krebstiere parthenogenetisch fort, in der Ordnung der Decapoda ist der Marmorkrebs aber der einzige bekannte Vertreter mit dieser Art der Reproduktion. Dies hat auch wichtige Folgen für die Praxis. So würde sich der Marmorkrebs auf Grund seiner hohen Fertilität, dem schnellen Wachstum, der Eingeschlechtlichkeit und dem genetisch identischen Nachwuchs vorzüglich als Labortier eignen. Der Marmorkrebs könnte aber auch eine grosse Gefährdung für unsere Ökosysteme sein. Als amerikanischer Krebs ist er ein potentieller Überträger der Krebspest, die die einheimischen Krebsarten an den Rand des Aussterbens gebracht hat. Durch die spezielle Fortpflanzungsstrategie würde ein einziges ausgesetztes Tier reichen, um eine Population zu gründen. Literatur Scholtz, G., Braband, A., Tolley, L., Reimann, A., Mittmann, B., Lukhaup, C., Steuerwald, F. & Vogt, G. (2003): Parthenogenesis in an outsider crayfisch. Nature 421: 806. (Dieser Artikel ist ursprünglich 2003 in der Datz 56 (10) erschienen) Wichtiger Hinweis Obwohl es sich beim Marmorkrebs um eine äusserst interessante Art handelt, muss ausdrücklich darauf hingewiesen werden, dass die Haltung der Art nach geltendem Recht in der Schweiz verboten ist (mehr Infos).
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| Zuletzt aktualisiert am Sonntag, den 30. November 2008 um 07:31 Uhr |
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