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Problematische Haltung von Pseudotropheus (Tropheops) sp. „Olive“
Onlinemagazin - Fische
Geschrieben von: Michi Tobler   
Samstag, den 29. November 2008 um 10:54 Uhr
Probleme bei der Haltung eines seltenen Malawicichliden
Michi Tobler

Die Haltung von Cichliden aus den ostafrikanischen Grabenseen gilt gemeinhin als leicht. Wenige Punkte müssen berücksichtigt werden, um diese Fische einigermassen erfolgreich zu pflegen und zu vermehren. Böse Zungen behaupten gar, man könne diese Cichliden im Abwaschbecken halten. Ein Problem, das sich jedoch bei einigen Vertretern aus den Grabenseen (aber auch Cichliden aus anderen Erdteilen) immer wieder stellt, ist die besonders ausgeprägte innerartliche Aggressivität.

Schon in der Natur sind viele Cichliden strikt territorial. Verschiedene ökologische Faktoren führten zur Entwicklung dieser Verhaltensweisen. Niemals hat die Aggression gegenüber Artgenossen jedoch zum Ziel, diese zu vernichten. Die Haltung auf engstem Raum im Aquarium hat jedoch nichts mit der Situation in der Natur gemein. Kontrahenten können hier ernsthaft verletzt und zum Teil auch getötet werden. Wie viele Liebhaber haben so durch Unwissenheit und falsche Haltung ganze Tropheus-Gruppen verloren, dem wohl meist diskutierten Beispiel für Massaker im Aquarium.

Pseudotropheus (Tropheops) sp. „Olive“ im Aquarium
1998 erstand ich eine Gruppe Pseudotropheus (Tropheops) sp. „Olive“, bestehend aus zwei Männchen und vier Weibchen. Pseudotropheus (Tropheops) sp. „Olive“ ist ein wissenschaftlich noch unbearbeiteter Mbuna aus dem Malawisee. Die Tiere fanden in einem 1000 Liter-Aquarium ihr neues Heim. Die dominanten Männchen dieser Art, sind uni senfgelb gefärbt. Nur die Bauch- und Afterflossen sowie der Kiemendeckelfleck sind schwarz. Die Afterflosse trägt zudem einen grossen deutlichen Eifleck. Bei der Balz bekommen Kehle und Bauch einen russigen Anflug. Die Weibchen tragen auf silbriggrauem Grund neun dunkle Querstreifen sowie zwei Längsstreifen, die in Flecken unterbrochen sind. Die Flossen sind farblos. Unter günstigen Lichtverhältnissen ist ein blauer Schimmer zu erkennen. Die Eiflecken sind nur rudimentär vorhanden. Subdominante Männchen besitzen dieselben Zeichnungsmuster wie die Weibchen jedoch mit der oben beschriebenen Grundfärbung der Männchen.

In der Zeit nach der Eingewöhnung zeigte sich die ausgeprägte innerartliche Aggressivität dieses Mbuna. Das dominante Männchen besetzte ein Revier nahe der Wasseroberfläche. Dieses wurde heftig gegen jegliche Eindringlinge verteidigt. Das unterlegene Männchen stand unter Dauerstress: Wenn es sich einmal aus den schützenden Felsaufbauten hervorwagte, wurde es sofort attackiert, selbst wenn es sich mindestens anderthalb Meter vom eigentlichen Revier des dominanten Männchens aufhielt. Auch die eigenen Weibchen wurden nicht geschont. Neben ausdauernden Hetzjagden waren auch Bissverletzungen zu beobachten. Sogar die Weibchen untereinander schenkten sich nichts. Mit solchen Problemen war ich früher, als ich Mbuna noch in zweihundert Liter fassenden Aquarien hielt, vertraut, in einem zwei Meter langen Becken hatte ich mit solchen Komplikationen jedoch nicht gerechnet! Die Männchen von P. (T.) sp. „Olive“ sind auch in der Natur strikt territorial, so dass sich in deren Reviere gelegentlich auch sogenannte Algengärten bilden. Die Weibchen jedoch sollen in Gruppen von drei bis sechs Individuen umherziehen (Ribbink et al., 1983).

Nichtsdestotrotz, nach gut drei Wochen konnte ich das erstemal den Laichvorgang beobachten: War ein Weibchen laichbereit wurde es vom Männchen heftig umworben. Die Aggressi-vität gegenüber den anderen Beckeninsassen schien während dieser Zeit ein Maximum zu erreichen. An einer senkrecht stehenden Felsplatte wurde schliesslich jeweils ein Ei in eine kleine Nische gelegt und sofort vom Weibchen aufgenommen. Später laichten die sp. „Olive“ meist geschützt zwischen den Steinaufbauten. Die Weibchen wurden immer im Hälterungsbecken gelassen.

Alle Pseudotropheus (Tropheops) sp. „Olive“-Weibchen laichten von nun an regelmässig in Intervallen von vier bis sechs (!) Wochen ab. Bei einer „Tragzeit“ von achtzehn bis einundzwanzig Tagen ist dies durchaus bemerkenswert. Auch zu bemerken ist jedoch, dass trotz des häufigen Laichens nie auch nur ein einziger Jungfisch nach dem Entlassen aus dem Maul erblickt werden konnte. Von allen anderen im selben Aquarium gehaltenen Arten ka-men im Gegensatz dazu regelmässig Jungtiere durch und wuchsen in demselben Becken auch bis zur Geschlechtsreife.

Durch die Aggressivität der Fische doch etwas beunruhigt, suchte ich nach Möglichkeiten in Zukunft Verletzungen oder gar etwaige Verluste zu unterbinden. Auf Rat mehrerer Kollegen vergrösserte ich nach etwa drei Monaten meine Pseudotropheus (Tropheops) sp. „Olive“-Gruppe von bisher sechs auf fünfzehn Tiere. Vier Männchen kamen neu auf elf Weibchen. Ziel war es, die Aggressionen auf mehr Individuen zu verteilen. Tatsächlich schien sich die Situation im Aquarium zu bessern. Das ehemals dominante Männchen war nun ausserstande das Revier weiter zu halten und direkte Auseinandersetzungen und Verletzungen konnte ich von diesem Zeitpunkt an nur noch sehr selten beobachten. Auch die neu dazugekommenen Weibchen laichten in den oben erwähnten Abständen ab. War kein Weibchen laichbereit, zeigten alle Männchen das subdominante Zeichnungsmuster. Kurz vor dem Ablaichen färbte sich jeweils eines der Männchen um. Ich kann allerdings nicht beurteilen, ob dies immer das gleiche war.

Ende gut, alles gut? Leider ist das nicht das Ende. Denn noch immer kamen keine Jungtiere hoch. Zudem konnte ich nach ungefähr weiteren drei Monaten beobachten, dass vereinzelte P. (T.) sp. „Olive“ immer magerer wurden. Zunächst war eine zunehmend konkave Bauchlinie feststellbar. Dann fielen Rücken- und Kopfpartie ein. Trotz abwechslungsreicher Fütterung und normaler Futteraufnahme der betroffenen Tiere, magerten sie bis auf Haut und Knochen ab. Schliesslich verendeten diese Tiere rund zwei Monate nach dem erscheinen der ersten Symptome. Kaum war ein Tier verstorben, machten sich die Symptome beim nächsten bemerkbar. Neun andere Mbunaarten hielt ich während dieser Zeit mit T. sp. „Olive“ zusammen, kein einziges Tier einer anderen Art verlor ich jedoch wegen besagten Symptomen.

War übermässiger Stress die Ursache?
Mit der Vergrösserung der Individuenzahl konnten zwar die direkten Folgen des äusserst aggressiven Verhaltens unterbunden werden; Verletzungen und daraus folgende Verluste traten nicht mehr auf. Jedoch ist anzunehmen, dass die hohe Besatzdichte einen enormen Stress bei den Tieren auslöste. Angehörige anderer Arten waren wahrscheinlich daher nicht betroffen, weil die Aggressionen von P. (T.) sp. „Olive“ primär gegen Artgenossen ausgeübt wurden.

Stress kann schwerwiegende Auswirkungen auf den Organismus haben. Zwar fehlen detaillierte Untersuchungen an Fischen, von Säugetieren aber weiss man, dass Stress unter anderem den Blutdruck erhöht und das Immunsystem unterdrückt. Eine Immunantwort auf potentielle Krankheitserreger kann so verlangsamt werden oder gar ganz ausfallen. Bei hohen Populationsdichten kann Stress den Hormonhaushalt beeinflussen und so negativ auf die Sterbe- wie die Geburtenrate einer Art wirken. Stress wirkt sich also direkt auf die Lebensdauer und den Fortpflanzungserfolg eines Individuums aus.

Ich vermute, dass Stress auch die Ursache für das Ausbleiben von Nachwuchs bei meiner P. (T.) sp. „Olive“-Gruppe war. Entweder waren die Weibchen gezwungen, ihren Nachwuchs so früh aus dem schützenden Maul zu entlassen, dass die Jungen keinerlei Überlebenschance hatten und anderen Beckenbewohnern zum Opfer fielen, oder die Weibchen waren körperlich in einer so schlechten Kondition, dass sie die Jungtiere schon in einem früheren Stadium selbst verschluckten. Um die Entwicklungsstufe der Jungtiere zu erfahren, entnahm ich einem Weibchen die Larven am neunzehnten Tag nach dem Ablaichen. Die Larven hatten zu diesem Zeitpunkt eine Länge von dreizehn Millimetern und der Dottersack, zwar nicht mehr gross, war noch deutlich zu erkennen. Diese Jungtiere hätten eine Entlassung aus dem Maul zu diesem Zeitpunkt wahrscheinlich nicht überlebt. Ob sie nach zwei weiteren Tagen (die maximale „Tragdauer“ betrug einundzwanzig Tage) überlebensfähig gewesen wären, wage ich nicht abzuschätzen. Ein Rätsel aber ist mir, wie auch sichtlich geschwächte Tiere nach nur zwei bis drei Wochen wieder ein neues Gelege produzieren konnten.

Auch bin ich versucht, die Todesfälle durch völlige Abmagerung dem hohen Stress zuzuschieben. Das Krankheitsbild (Abmagerung) passt zu einer Erkrankung an Fischtuberkulose. Diese durch Bakterien der Gattung Mycobacterium verursachte Krankheit kennzeichnet sich dadurch, dass die Bakterien im Körper Knötchen bilden. Bei ungünstigen Verhältnissen - wie Stress – brechen diese Knötchen auf, die Tuberkulose wird akut und verläuft in den meisten Fällen tödlich. Diese Annahme wird dadurch verstärkt, dass die Erreger der Fischtuberkulose bei Aquarienfischen im Gegensatz zu Wildfischen latent sehr weit verbreitet sind.

Anderthalb Jahre nachdem ich den ersten Todesfall zu beklagen hatte, musste ich das Aquarium umzugsbedingt räumen. Es verblieben fünf Pseudotropheus (Tropheops) sp. „Olive“, alle in einem eher fragwürdigen Gesundheitszustand.

Literatur
Ribbink, A. J., Marsh, B. A., Marsh, A. C., Ribbink, A. C. & Sharp, B. J. (1983): A preliminary survey of the cichlid fishes of rocky habitats in Lake Malawi. S. Afr. J. Zool. 1983, 18: 149-310.
Schubert, G. & Untergasser, D. (1991): Krankheiten der Fische. Kosmos Verlag, Stuttgart.
Spreinat, A. (1995): Anmerkungen zu Ernährung und Aggressionsverhalten von Mbunas. In: Cichliden – Festschrift zum 25jährigen Jubiläum der DCG. Ed.: R. Stawikowski. DCG, Frankfurt am Main: 93-107.

Abbildungen
Männchen (links) und Weibchen von P. (T.) sp. "Olive" (aus Ribbink et. al. 1983 und W. Deproost (www.cichlidae.be))

tropheops_olive2
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(Dieser Artikel ist ursprünglich 2002 in den “DCG-Informationen 33 (2): 36-42” erschienen)
Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, den 29. Oktober 2009 um 10:08 Uhr
 

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