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| Ein typischer Tico: "Cichlasoma" sajica |
| Geschrieben von: Michi Tobler |
| Samstag, den 29. November 2008 um 11:11 Uhr |
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Allgemeine Infos, Haltung und Zucht Michi Tobler Vor nicht allzu langer Zeit wurde in der DCG-Info der Wunsch geäussert, dass vermehrt auch über häufiger gepflegte Cichliden berichtet wird. "Cichlasoma" sajica gehört, neben dem Zebrabuntbarsch und einzelnen Thorichthys-Arten, zu den wohl am meisten gepflegten Cichliden Mittelamerikas. In fast jeder Zoofachhandlung werden in kleinen Becken Jungtiere von "C." sajica angepriesen. Oft sehen diese Fische leider nicht so aus, als würde ein stattlicher und durchaus farbiger Cichlide heranwachsen. Denn in den kleinen Becken bleiben diese jungen Cichliden in ihrem Wachstum oft zurück. Ebensolche "C." sajica erwarb ich vor einigen Jahren als Jungaquarianer. Das Trio wuchs aber trotz des grösseren zur Verfügung gestellten Beckens nicht merklich. So hatten meine Sajicas doch erhebliche Mühe, meine Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, zumal mich die bunten Malawicichliden in den anderen Becken zu dieser Zeit wesentlich mehr anzogen. Schliesslich habe ich die kleinen Mittelamerikaner wieder abgegeben, um einen weiteren "Malawitümpel" einzurichten. In der Literatur "C." sajica wurde 1974 durch Bill Bussing zu Ehren von Salvador Jiménez Canossa beschrieben. Der Name sajica ist dabei ein Akronym der jeweils ersten beiden Buchstaben. Jiménez war Direktor der Libary of Congress von Costa Rica und begleitete Bussing während seiner frühen Reisen durch Costa Rica. Als Populärnamen schlug Bussing den Namen "False Convict" vor. Dies nimmt Bezug auf den englischen Namen "Convict" von "C." nigrofasciatum, was so viel wie Sträfling bedeutet (Bussing, 1974). Der Name False Convict hat sich aber auch im englischen Sprachgebrauch nicht durchgesetzt. Im englischen heisst dieser Cichlide heute "T-bar Cichlid" und im deutschen schlicht Sajica-Buntbarsch. Erst nach seiner Erstbeschreibung wurde "C." sajica durch Daniel Fromm zum ersten Mal in die USA importiert. Einige Jahre später fand die Art auch ihren Weg in die europäischen Aquarien. "C." sajica ist in Costa Rica endemisch und kommt auch dort nur im Südwesten des Landes von Punta Mala bis zum Río Esquinas-Becken vor (siehe Karte). Da bewohnt die Art die Uferbereiche kleiner bis grösserer Fliessgewässer. Als Substrat präferiert sie Sand, Kies und Steine. Neben Wasserinsekten sollen in der Natur Algen einen wesentlichen Anteil der Nahrung ausmachen. Im natürlichen Lebensraum bleibt "C." sajica erstaunlich klein: Die Männchen werden bis neun, die Weibchen bis sieben Zentimeter lang (Bussing, 1998). Im Aquarium Letztes Frühjahr kam ich erneut in den Besitz dieser Art. Ich erwarb bei einem Händler zwei Exemplare des Sajica-Buntbarsches. Die Geschlechtsunterschiede waren schon gut zu erkennen. Beide Geschlechter besitzen sechs Körperstreifen, von denen der dritte besonders besonders intensiv hervortritt. Häufig ist zudem ein Längsband zu erkennen. Zusammen mit dem kräftigen dritten Streifen ergibt sich so ein auf der Seite liegendes T (daher auch der englische Name T-bar Cichlid). Kopf und Rücken sind braun gefärbt, während die Flanken und die Bauchregion eher gräulich sind. Die untere Hälfte des Kopfes schimmert bläulich. Die Iris besitzt bei beiden Geschlechtern blaue wie goldene Anteile. Die Männchen haben Rücken-, Schwanz- und Afterflossen die kräftig rot gefärbt sind. Zwischen den einzelnen Flossenstrahlen ist zudem eine blaue Musterung festzustellen. Je nach Lichteinfall, kann man auf den Flanken der Männchen einen violetten Anflug feststellen. Das Weibchen besitzt auf dem Rücken golden irisierende Schuppen. In den unpaaren Flossen dominiert eine gelbe Farbe. Auch beim Weibchen zeigt sich zwischen den Flossenstrahlen eine bläuliche Färbung, allerdings nicht so ausgeprägt wie beim Männchen. Die Rücken- und Bauchflossen sind beim Weibchen zudem schwarz gerandet. Im 300 Liter fassenden Becken, das sie zunächst alleine bewohnten, wuchsen meine beiden "C." sajica noch ein ganzes Stück, so dass das Männchen nun rund elf Zentimeter gross ist. Im Vergleich zu den nah verwandten Arten, ist "C." sajica deutlich hochrückiger. In der Literatur wurden teilweise sogar Männchen abgebildet, die einen Stirnbuckel tragen. Bei ungeeigneter Fütterung, sprich einem zu hohen Proteinanteil im Futter, kann die Art im Aquarium ein stattliche Grösse erreichen, die die der Artgenossen in freier Natur bei weitem überragt. Bei der Fütterung sollte man dem Umstand Rechnung tragen, dass "C." sajica in der Natur viel pflanzliche Nahrung aufnimmt. Ich füttere meine Tiere daher mit einem Flockenfutter mit hohem Spirulinaanteil, Cyclops und vor allem mit Spinat. Cyclops, die in der Regel auch von grösseren Fischen angenommen werden, stehen bei "C." sajica aber nicht sonderlich hoch im Kurs. Es scheint mir, als würden sie grössere Futterpartikel bevorzugen. Bei dieser Fütterung wachsen die beiden Tiere bei mir seit geraumer Zeit nicht mehr merklich. In Fortpflanzungsstimmung Nach den wöchentlichen Wasserwechseln war das Männchen jeweils sehr temperamentvoll. Mit weit abgespreitzten Flossen baute es sich vor dem Weibchen auf und schlug mit der Schwanzflosse kräftig in ihre Richtung. Diese Balzspiele konnten aber schnell in Aggression umschlagen. Da das Weibchen in den ersten Wochen nicht gerade willig war, musste es dann hin und wieder mit leicht zerfetzten Flossen, aber ohne ernsthafte Verletzungen, in den zahlreich vorhandenen Verstecken Zuflucht suchen. Meist schon Tags darauf liessen die Aggressionen des Männchens wieder nach und das Weibchen konnte sich frei im Aquarium bewegen. Um das Weibchen doch etwas zu entlasten, setzte ich zum Päärchen drei juvenile Hypsophrys nicaraguensis hinzu. Auch diese wuchsen zügig und die Vergesellschaftung bereitete nie Probleme. Das Männchen erwies sich die ganze Zeit über als starker Wühler. Unermüdlich wurde die Höhle unter einer Wurzel vergrössert. Selbst grössere Kiesel wurden dabei mühelos mit dem Maul transportiert. Schon nach wenigen Wochen legte das Paar das erste Gelege ab. Dieses war am Morgen danach allerdings schon wieder verschwunden. Acht Tage später laichte das Paar in den frühen Abendstunden erneut ab. Im Vorfeld beteiligte sich auch das Weibchen an den Grabarbeiten. So wurde neben dem späteren Laichplatz eine zweite Grube angelegt. Die Gentalpapille trat beim Weibchen etwa drei Millimeter aus dem Körper heraus, beim Männchen hingegen war nur eine kleine Spitze sichtbar. Obwohl ich zu diesem Zeitpunkt zu Hause war, kann ich nur wenig über den eigentlichen Ablaichvorgang berichten. Die beiden Tiere hielten sich abwechslungsweise in der bis dahin vom Männchen beanspruchten Höhle auf. Das Männchen wurde darauf vom Weibchen energisch auf Distanz gehalten. Auch nach dem Laichvorgang hatte das Weibchen leicht ramponierte Flossen. Die Färbung des Weibchens änderte sich nach dem Ablaichen schlagartig. Kopf, Brust und Bauchflossen färbten sich dunkel. Die hintere Körperhälfte hellte auf und bekam einen blauen Anflug. Der Blauanteil in den Flossen stieg zudem deutlich an. Mit Ausnahme des dritten Streifens, der deutlich hervortrat, verschwand die Streifenzeichnung vollständig. Die Iris verlor ihre Farben und hob sich mit der nun fast weissen Farbe leuchtend vom dunklen Kopf ab. Im Vergleich zur Normalfärbung ist das Brutpflegekleid sehr kontrastreich. Das Weibchen verteidigte das Gelege vehement, wie man es von einem brutpflegenden Cichliden erwarten kann. Das Männchen beteiligte sich in dieser Phase überhaupt nicht an der Brutpflege. Bei einer Temperatur um die 25° Celsius schlüpften die Larven nach etwa vier Tagen. Nach dem Schlüpfen wurden die Jungen in die zweite Grube umgebetet. Trotz eines schützenden Steines hatte ich von da an eine ungehinderte Sich auf die Brut. Die Larven lagen zunächst in einem kleinen Klumpen dicht gedrängt direkt auf der Glasplatte. Im Verlauf der nächsten Tage schwaderten einzelne von ihnen, noch immer mit deutlichen Dottervorrat, unbeholfen dem Boden entlang. Am Abend des siebten Tages schwammen die Jungen, schätzungsweise 120 Stück, frei. Der Dottersack war zu diesem Zeitpunkt noch immer schwach sichtbar. Von da an änderte sich auch die Färbung des Männchens. Mit den roten Flossensäumen war dieses nun ein besonders schöner Anblick. Die Färbung war insgesamt aber nicht so kontrastreich wie die des Weibchens. Auch die Aggressivität steigerte sich merklich. Die Nicaraguabuntbarsche wurden mit Bissen auf Distanz gehalten, so dass sie sich die meiste Zeit über versteckt hielten. Gemeinsam verteidigten die Eltern nun den Jungfischschwarm, der die vorhandenen Algenpolster ständig nach fressbarem absuchte. Zusätzlich zur im Becken vorhandenen Nahrung, wurden entkapsulierte Artemiaeier gereicht. Bei der Brutpflege von "C." sajica ist bekanntlich eine Arbeitsteilung zwischen den beiden Geschlechtern zu beobachten. Während das Männchen fast ausschliesslich die Umgebung sicherte, kümmerte sich das Weibchen auch direkt um die Brut. Der Jungfischschwarm wurde möglichst kompakt zusammengehalten. Ausreisser wurden mit dem Maul aufgesammelt und in den Schwarm zurückgespuckt. Bei Gefahr, etwa Hochbetrieb vor dem Aquarium, zuckte das Weibchen mit weit abgespreizten Flossen über den Jungfischen. Diese sammelten sich dann unter dem Muttertier und verharrten regungslos auf dem Boden. Jeweils noch vor dem Löschen der Beleuchtung wurde die Brut in die schützende Höhle geführt, wo sie die Nacht verbrachte. Nach 22 Tagen beim Männchen bzw. 31 Tagen beim Weibchen verschwand der Brutpflegetrieb und somit auch die besondere Färbung. Beides nahm im Verlauf der letzten Tage kontinuierlich ab. Da ein befreundeter Aquarianer einige junge "C." sajica haben wollte, saugte ich zwanzig davon ab und überführte sie in ein Aufzuchtbecken mit rund 100 Liter Fassungsvermögen. Trotz intensiverer Fütterung und sorgfältiger Wasserpflege im Aufzuchtbecken wuchsen die Jungen, die ich bei den Eltern belassen hatte, zügiger. Besonders nachdem die Elterntiere nach über sieben Wochen ein weiteres Gelege absetzten und die Larven nach dem Freischwimmen sofort von den älteren Geschwistern gefressen wurden, machten diese einen grossen Wachstumschub. Nach neun Wochen waren die zwölf verbliebenen Jungtiere bei den Eltern beinahe doppelt so lang, wie ihre Geschwister im Aufzuchtbecken. Ich vermute daher, dass genügend grosse und gut strukturierte Becken ein wichtiger Faktor für das gesunde Wachstum der jungen "C." sajica ist. Wohl deshalb sind in den oft zu kleinen Verkaufsbecken der Zoofachgeschäfte kümmernde Jungtiere zu finden. Die Jungtiere zeigen schon früh eine recht ansprechende Färbung. Das oben beschriebene Streifenkleid ist bei den Jungen besonders ausgeprägt. Zudem sind Rücken- und Afterflossen schon bei einer Grösse von etwa einem Zentimeter kräftig orange-rot gefärbt. Mit zunehmender Grösse verschwindet das Streifenmuster und wie bei den Adulten bleibt meist nur der dritte Streifen sichtbar. In ausreichend grossen Becken ist "C." sajica ein leicht zu haltender Cichlide. Es werden keine grossen Ansprüche an die Wasserqualität gestellt und bei einer sorgfältigen Pflege des Aquariums stellt sich der Nachzuchterfolg sehr schnell ein. Wegen seiner Kleinheit, der genügsamen Art und seiner Durchsetzungskraft erinnert mich dieser Cichlide hie und da an die Menschen seiner Heimat, die Ticos, wie sie sich selbst nennen. Warum nicht Cryptoheros? Die systematische Zuordnung von "C." sajica ist wie die der meisten mittelamerikanischen Cichliden noch weitgehend unklar. Nachdem Kullander die Gattung Cichlasoma auf einige südamerikanische Taxa beschränkte, wurde "C." sajica mit seinen Verwandten (vgl. Tabelle) von vielen Autoren in der Gattung Archocentrus geführt. Allayer beschrieb aber vor einiger Zeit die Gattung Cryptoheros für die Cichliden um "C." spilurus. Die Gattung entspricht der "Cichlasoma" nigrofasciatum-Artengruppe, die Stawikowski & Werner zuvor schon für die klein bleibenden Archocentrus-Arten beschrieben. Unter Aquarianern fand der Name Cryptoheros in kürzester Zeit eine grosse Verbreitung und eine hohe Akzeptanz. Systematiker, die sich mit dieser Cichlidengruppe beschäftigen, zweifeln allerdings an Validität von Cryptoheros. Zu Recht kritisieren sie, dass die verwandtschaftlichen Beziehungen der ehemals in Archocentrus zusammengefassten Taxa noch immer ungelöst sind. Neue molekularbiologische wie auch umfangreichere morphologische Untersuchungen ergaben denn auch, dass Cryptoheros sensu Allgayer keine Gültigkeit hat (Concheiro Pérez und Kullander, persönliche Mitteilungen). Die Ergebnisse molekularbiologischer Untersuchungen wurden in der Vergangenheit gerade in Liebhaberkreisen mit grosser Skepsis aufgenommen. Wie die traditionellen systematischen Methoden weisen auch die molekularbiologischen Stärken und Schwächen auf. Nichtsdestotrotz sind die molekularen Methoden heute ein wichtiges und auch immer verlässlicheres Werkzeug, um verwandtschaftliche Beziehungen zu analysieren. Molekulare Stammbäume wurden bis heute oft auf Grund der Analyse eines einzigen Genes oder DNA-Abschnitts aufgestellt. Immer häufiger werden aber mehrere Gene mit in die Analysen einbezogen und teilweise sogar mit Daten aus traditionellen systematischen Untersuchungen kombiniert. Die Analyse der DNA ist allerdings nicht nur sehr zeitaufwendig sondern auch ausgesprochen teuer. Es wird daher wohl noch einige Zeit dauern, bis wir breiter abgestützte Resultate zur Verfügung haben. Bestehende Resultate bieten trotz verschiedener Probleme wichtige Hinweise für die Klassifikation der Organismen. Mehrere Wissenschaftler untersuchen zur Zeit die Verwandtschaft innerhalb der neuweltlichen Cichliden intensiv sowohl mit traditionellen als auch molekularen Methoden. In absehbarer Zeit werden so viel bessere Kenntnisse über die verwandtschaftlichen Beziehungen unserer kleinen Mittelamerikaner vorhanden sein. Ohne daran zu zweifeln, dass der Name Cryptoheros für die Typusart "C." spilurus durchaus gültig sein kann, ziehe ich die alte Bezeichnung "Cichlasoma" für die übrigen Arten, die Allgayer in diese Gattung gestellt hat, vorläufig vor. Deren Gattungszugehörigkeit ist zur Zeit nach wie vor als ungeklärt zu betrachten. Nur weitere Untersuchungen können zeigen, mit welchen Namen unsere Pfleglinge in Zukunft anzusprechen sind. Literatur Allgayer, R. (2001): Description d'un genre nouveau, Cryptoheros, d'Amérique centrale et d'une espèce nouvelle du Panama (Pisces: Cichlidae). L'an Cichlidé 1: 13-20. Bussing, W.A. (1974): Two new species of cichlid fishes, Cichlasoma sajica and C. diquis, from southeastern Costa Rica. Rev. Biol. Trop. 22 (1): 29-49. - (1998): Peces de las aguas continentales de Costa Rica. Rev. Biol. Trop. 46, Supl. 2: 1-468. Stawikowski, R. & Werner, U. (1998): Die Buntbarsche Amerikas Band 1. Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart. (Dieser Artikel ist ursprünglich 2003 in den “DCG-Informationen 34 (8 ): 169-178” erschienen) |
