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Beobachtungen an Pseudotropheus "Acei"
Onlinemagazin - Fische
Freitag, den 28. November 2008 um 18:47 Uhr
Pseudotropheus “Acei” ist ein wissenschaftlich noch unbeschriebener, in der Natur etwa zehn Zentimeter gross werdender Mbuna aus dem Malawisee. Er scheint ein eher ursprünglicher Mbuna zu sein, und da er kein Zebra im eigentlichen Sinn ist, wird er nicht in der Gattung Maylandia aufgeführt, sondern nachwievor in die Sammelgattung Pseudotropheus gestellt.

Man trifft Pseudotropheus „Acei“ nur relativ selten an, und im Gegensatz zu dem meisten anderen Mbunas ist er nicht ausschliesslich über felsigem Grund zu finden. Das bevorzugte Biotop des Acei sind offene Sandflächen, in Tiefen von zwölf Metern und mehr, wobei er besonders dort anzutreffen ist, wo Totholz in den See gespült wurde. Bei diesen Holzansammlungen finden die Fische Deckung und Nahrung in Form von Aufwuchs. Im See verteidigen auch Männchen im Brutkleid keine Territorien, und es ist auch nicht bekannt, ob Gruben angelegt werden. Ablaichen sollen die Tiere über reinem Sandgrund oder im Schutze des Holzes oder eines einzelnen Steines. Die brutpflegenden Weibchen bleiben in der Nähe des Substrats, wo auch die Jungfische ausgesetzt werden. Bemerkenswert ist, dass bei Ngara gelegentlich Schwärme von über tausend Tieren beobachtet werden konnten (KONINGS, 1995).

Pseudotropheus „Acei“ ist nur am Westufer des Malawisees anzutreffen, und von dort sind mehrere geographische Varianten bekannt. Es gibt eine helle Form mit weisslichen Flossenrändern, die „Kambiri“-Form genannt wird und im Süden des Sees in der Senga Bay vorkommt (die Ortschaft Kambiri befindet sich in dieser Bucht). Dann lebt an der mittleren Westküste der „Yellow Tail-Acei“. Diese Tiere sind blau gefärbt und haben eine gelbe Flossenfärbung. Aus dem Norden bei Ngara (nördlich von Chilumba) ist noch eine dunkle Form bekanntgeworden. Sie ist vielen Aquarianern unter dem Namen „White Tail Acei“ oder „Acei Ngara“ bekannt.

Meine Pseudotropheus „Acei“ scheinen von der mittleren Westküste zu stammen („Yellow Tail“-Acei), wenngleich bei meinen Tieren breite Querstreifen in der oberen Körperhälfte relativ deutlich ausgeprägt sind, was für diese Form eigentlich ungewöhnlich ist. A. SPREINAT, der mir bei der Identifizierung behilflich war, vermutete, dass vielleicht einmal ein Tier der dunklen, mitunter breit gestreiften Form eingekreuzt wurde. Diese Vermutung hat sich aber insofern nicht bestätigt, da die Jungtiere allesamt gleich gefärbt sind wie die Alttiere. Die Grundfärbung meiner Tiere ist ein blasses Blau, das bei unterlegenen Tieren oder brutpflegenden Weibchen eher gräulich wirkt. Auf dem Kiemendeckel befindet sich ein dunkler, blau irisierender Fleck. Alle Flossen sind zitronengelb gefärbt, wobei die Bauchflossen eine weisse vordere Kante aufweisen. Bei den grösseren Männchen sind die Bauch- wie vor allem die Afterflosse russig schwarz überzogen. Eiflecken sind bei beiden Geschlechtern zwar vorhanden jedoch nur sehr wenig ausgeprägt. Die äusseren Geschlechtsunterschiede sind überhaupt eher gering, was für einen spezialisierten Maulbrüter wieder eher ungewöhnlich ist. Grössere Männchen haben eben die dunkle Afterflosse und eine bulligere Gestalt. Die Geschlechter lassen sich nur sicher anhand der Genitalöffnungen erkennen. Im Gegensatz zu ihren in der Natur lebenden Vettern können Aquarientiere bis zu fünfzehn Zentimeter gross werden.

Aussergewöhnlich ist, wie schon erwähnt, die Musterung meiner Tiere. Die breiten Bänder, die ich eingangs erwähnt habe, sind durchaus nicht ständig zu sehen. Vielmehr scheint die Musterung stimmungsabhängig zu sein. Normalerweise zeigen die Fische keinerlei Musterung. Streifen, die sich übrigens nur schwach von der Körpergrundfärbung abheben, zeigen nur die kleineren und somit unterlegenen Tiere; niemals konnte ich ein grosses Männchen mit Streifung beobachten. Die einfache Streifung, fünf Binden unter der Dorsale und eine an der Schwanzwurzel, ist bei brutpflegenden Weibchen durch ein Querband ergänzt, das sich vom Kopf her in etwa halber Körperhöhe über den ganzen Fisch bis zur Schwanzwurzel hinzieht. Bei aggressiven Tieren sowie balzenden und laichenden Männchen wird die blaue Körperfarbe sehr hell, und die Musterung wird auf die dann sehr dunkel erscheinende erste Binde, die vom Ansatz der Dorsale hinter der Brustflosse durch zum Bauch reicht, beschränkt. Zudem färbt sich der ganze Kopf dunkel, was einen starken Kontrast zum restlichen Körper bildet. Eine ähnlich variable Körpermusterung habe ich noch bei keinem anderen Mbuna gesehen.

Im Aquarium erweist sich Pseudotropheus „Acei“ als ein durchaus einfach zu pflegender Cichlide. Die Männchen sind selbst während ihrer Balzaktivität nur wenig aggressiv. Könnte vielleicht die klare (?) innerartliche Kommunikation durch die variable Musterung ein Grund dafür sein? Merkwürdigerweise wurde bisher noch niemals von entsprechenden Beobachtungen weder im Aquarium noch im Freiland berichtet. Auch der Platzanspruch dieser Art ist relativ bescheiden; ich halte eine neunköpfige Gruppe, drei Männchen und sechs Weibchen ohne Probleme in einem zweihundert Liter fassenden Aquarium. Das Becken ist spärlich mit einigen Ziegelsteinen und Schieferplatten dekoriert. Das Wasser, mit einer Temperatur von 27°C, einem pH von ca. 7,8 und 9° dH wird nicht speziell aufbereitet, jedoch wird wöchentlich ein Viertel des Gesamtvolumens gewechselt und der Filter gereinigt. Gefüttert werden die Acei vor allem mit pflanzlichem Trockenfutter und tiefgefrorenen Cyclops. Man kann die Fische übrigens häufig beobachten, wie sie Algen von den Steinen abweiden oder wie sie den Bodengrund durchkauen. Beides tun sie auch bei ausreichender Fütterung.

Unter diesen Umständen laichen die Acei auch regelmässig ab. Gelaicht wird in typischer Mbuna-Manier immer auf einer flach auf den Boden gelegten Schieferplatte, wobei das Männchen die oben erwähnte Färbung zeigt. Laut KONINGS sollen die Männchen im Aquarium zwischen Steinen „Nester“ graben und territorial sein. Dies kann ich beides nicht bestätigen.

Immer wieder wird berichtet, dass die Weibchen auch während des Maulbrütens gelegentlich kleine Nahrungspartikel zu sich nehmen. Eigentlich wollte ich dieses Verhalten für Pseudotropheus „Acei“ nicht bestätigen, doch während dem Schreiben dieses Berichts konnte ich ein brutpflegendes Weibchen beobachten, das gleich zwei Granulatkörner frass.

Nach 19-23 Tagen entlassen die Weibchen dreissig bis vierzig Jungfische. Unterschiedliche Erfahrungen gibt es offenbar bei der Grösse der frisch entlassenen Fischchen. Nach Messungen von A. SPREINAT (briefl. Mittlg) entlassen die Arten mit den kleinsten Jungen, dazu gehören die ursprünglichen Mbunas wie Pseudotropheus „Acei“, bereits zehn Millimeter grosse Jungtiere. Die Jungfische der meisten anderen Arten sind gar etwa 12-13 Millimeter gross. Die Jungtiere meiner „Acei“ waren aber nach dem Entlassen schätzungsweise acht Millimeter gross, und erst nach zehn Tagen zischen zehn und dreizehn Millimeter (Messwerte). R. KLÖS berichtete 1985 gar, dass die Jungtiere, rund sechzig an der Zahl, nach dem Entlassen nur sechs Millimeter gross waren. Möglicherweise hängt die Größe der Jungtiere von der Größe des Muttertieres ab. Die Jungen sind unscheinbar grau gefärbt und zeigen ein undeutliches Muster, das mich beim flüchtigen Hinschauen an ein Schachbrett erinnert. Mit zunehmender Grösse sind deutlich die sechs Streifen und zwei Querbänder, von denen das obere bei ausgefärbten Tieren praktisch nicht mehr hervortritt, zu sehen. Mit etwa 2,5 Zentimeter Gesamtlänge beginnen sich die Jungfische umzufärben, bis sie schliesslich gleich aussehen wie ihre älteren Artgenossen. Die Jungen wachsen anfangs relativ langsam.

Aus Platzmangel kann ich leider nur selten eine Brut in einem separaten Becken aufziehen. Meistens muss ich die Jungen im Hälterungsbecken ihrem Schicksal überlassen. Hier erweisen sich die Ziegelsteine mit ihren Löchern als sehr Vorteilhaft, es überleben nämlich immer einige Jungfische. Habe ich Platz, überführe ich das Weibchen etwa zwei Wochen nach dem Ablaichen in ein fünfzig Liter fassendes Aquarium, wo es die Jungen dann auch entlässt. Erstaunlich ist für mich immer wieder, wie träge die frisch entlassenen Jungen sind. Das müsste doch die Überlebenschancen drastisch verkleinern. Es ist aber möglich, dass das Weibchen ihre Jungen durch die Ruhe in ihrer Einzelhaft früher entlassen. Das Weibchen wird nun wieder ins Hälterungsbecken gesetzt. In diesem Aufzuchtaquarium werden täglich zwanzig Prozent Wasser gewechselt und der Filter gereinigt. Gefüttert werden die Fischchen mit zermahlenem Flockenfutter und, sobald sie sie bewältigen können, mit Cyclops. In der Regel erreichen die Tiere in etwa anderthalb bis zwei Monaten eine Grösse von etwa zwei bis zweieinhalb Zentimeter. In dieser Grösse konnte ich sie bisher ohne Bedenken in mein grosses Malawiseebecken setzen, wo sie ohne grosse Verluste bis zur Geschlechtsreife heranwachsen. Eigene Nachzuchten haben bisher jedoch noch nicht abgelaicht.

acei1

Literatur

KLÖS, R. (1985), Ein idealer Anfängerfisch – Pseudotropheus spec. „acii“; DCG-Info 16(11) 1985: pp. 212-215.

KONINGS, A. (1995), Malawiseecichliden in ihrem natürlichen Habitat, Band II; Cichlid Press: pp. 246-247.

KONINGS, A. (1996), Atlas der Malawisee Cichliden, Band II; bede-Verlag, Ruhmannsfelden: pp.63-64.

SPREINAT, A. (1997a): Aqualex CD-ROM - Cichlids from Lake Malawi / Malawisee-Cichliden. Dähne, Ettlingen, 600 pp.

STAECK, W. (1989), Cichliden lll – Entdeckungen und Neuimporte; Engelbert Pfriem Verlag, Wuppertal: pp. 205-207.

(Dieser Artikel ist ursprünglich 2000 in den “DCG-Informationen 31 (7): 164-168” erschienen)

Anmerkung der Redaktion: Die von Michi Tobler abgebildeten "Acei Yellow Tail" zeigen ein für diese Population in der Tat untypisches Zeichnungsmuster aus wenigen sehr breiten Querstreifen, so dass aus meiner Sicht nicht sicher auszuschliessen ist, dass nicht möglicherweise "fremdes Blut" in die Elterntiere (unbeabsichtigt) eingekreuzt worden ist. Ungewöhnlich ist auch die Beobachtung, dass das Männchen beim Balzen eine ausgeprägte dunkle Färbung im Kopfbereich aufwies. Eine derartig dunkle "Balz-Nase" zeigt nach meinem Wissen neben den Labeotropheus-Arten nur noch Pseudotropeus "Livingstonii Likoma". Es wäre hilfreich zu wissen, ob andere DCG-Mitglieder ähnliches an ihren Pseudotropheus "Acei" beobachten konnten.

Andreas Spreinat

Betrifft den Kommentar von A. Spreinat
Das von mir angeführte Schraml-Zitat im ersten Abschnitt des Artikels ist falsch. Auch E. Schraml stellt den „Acei“ in die Sammelgattung Pseudotropheus. Für diesen Patzer möchte ich mich, insbesondere bei Herr Schraml, vielmals entschuldigen.
Ich möchte ausserdem noch eine Ergänzung zum Artikel anbringen. Die breit gestreiften „Acei Yellow Tail“, die ich im Artikel vorgestellt habe, werden zumindest hier in der Ostschweiz recht häufig im Handel angeboten. All diese Tiere sollen von einem deutschen Grosshändler stammen. Es scheint sich bei diesen Tieren also nicht um eine „Kellerkreuzung“ aus verschiedenen Arten zu handeln. Dass eine fremde Art oder Rasse eingekreuzt wurde, ist jedoch trotzdem nicht auszuschliessen. Laut den verschiedenen Zoofachgeschäften werden diese Cichliden vom Grosshändler als „Malawi-Schneckenbuntbarsch“ geliefert; die Zoofachgeschäfte selbst verkaufen sie unter den Namen Pseudotropheus livingstonii oder P. lanisticola. Genaue Fundortangaben oder weitere Informationen über den Ursprung der Tiere konnte ich leider nicht in Erfahrung bringen. Im Vergleich zu zum normalen „Acei Yellow Tail“ haben die breit gestreiften Tiere übrigens auch ein deutlich breiteres Maul.

Michi Tobler

(Dieser Artikel ist ursprünglich 2001 in den “DCG-Informationen 32 (1): 22-23” erschienen)
Zuletzt aktualisiert am Sonntag, den 30. November 2008 um 07:26 Uhr
 

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