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| Für einmal andere als ausgetretene Pfade, Teil 2 |
| Onlinemagazin - Allgemeine Aquaristik | |||
| Geschrieben von: Rosana | |||
| Samstag, den 29. November 2008 um 12:45 Uhr | |||
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Gedanken zur Aquaristik Geben Sie grundsätzlich nichts in das Aquarium, ausser Sand, Pflanzen und Fische (ev. geeignete Dekorationsmaterialien, wie Steine - von den Dekorationshölzern sind nicht alle geeignet). Das - richtig ausgewählt - ist vollkommen genügend! Fast alle Misserfolge ergeben sich dann erst mit der Zeit aus Pflegefehlern (soweit nicht Fischkrankheiten oder ganz bestimmte Algenarten eingeschleppt wurden). Wie man solche Pflegefehler vermeidet oder begangene erkennt, werden wir nun der Reihe nach kurz betrachten. Die Sandkörnung soll so gewählt sein, dass der Boden - zu kleiner Poren wegen - nicht verdichtet wird und - zu grosser Poren wegen - nicht mit Mulm und Kot derart durchsetzt wird, dass er dadurch erstickt. Eine ideale Kornmischung ist: 40% 0,2 bis l mm, 30% l bis 2 mm, 15% 2 bis 3 mm, l5% 3 bis 4 mm möglichst scharfkantig gebrochen. Den genauen Grund dafür, nebst einfachen Experimenten, welche die Wirksamkeit der Kornstruktur in verblüffender Weise erkennen lassen, beschrieb ich in meinem Buch "Liebe und Verständnis für das Aquarium", das in seiner 3.Auflage bei mir erhältlich ist. Die Pflanzen brauchen nach dem Umpflanzen zur internen Umstellung auf die neuen Verhältnisse am neuen Ort immer etwa 8 Tage. Blätter, die sie vorher treiben, erhalten ihre dazu erforderlichen Nährstoffe stets aus den Reserven in der Pflanze selbst. - Darum auch das Absterben eines oder zweier Blätter nach dem Umpflanzen. Das neue Blatt (oder Blattpaar bei Stängelpflanzen) ist dann das erste, welches voll auf die neue Situation abgestimmt ist. Während in bestehenden Aquarien dieser Prozess ein nur die betroffene Pflanze angehendes Problem ist, ist es bei völlig neu eingerichteten Aquarien auch ein Problem des gesunden Milieus. Weil ja da noch gar keine Pflanze "funktionstüchtig" ist, gleicht ein solches Aquarium einem toten Raum, in welchem sich ein sich weiter entwickelndes Leben erst wieder sammeln und ordnen muss. Darum Lassen wir den Pflanzen die dafür benötigten 8 Tage Zeit und geben die Fische also erst 8 Tage nach der Pflanzung hinzu. Vorher oder wesentlich später eingesetzte Fische führen zumeist zu Schwierigkeiten. Bei schönem Pflanzenwuchs; aber nur geringem Zuwachs ist der Fischbestand etwas zu klein gewählt. Solche Aquarien bleiben oft jahrelang schön. Wer an grösserer Pflanzenfülle mehr Freude hat, der braucht nur etwas mehr Fische - nicht etwa CO2. Wenn dann aber alles so gut und schnell wächst, dass alles bald einmal zu dicht wird, dann geschieht es leicht, dass mit einem einmaligen aber gründlichen Auslichten ein Ungleichgewicht zwischen der Pflanzenmasse - als Düngezehrer - und dem täglich anfallenden Fischkot - als Düngelieferant - entsteht, welches Ungleichgewicht dann schnell zu Vergiftungserscheinungen bei den Pflanzen führt, die an gelblich-grünen bis gelblich-weissen Herzblättern der Echinodoren gut erkannt werden kann, besonders wenn diese Blätter kleiner bleiben, dicklicher und vor allem brüchiger sind als die vordem gewachsenen ältern, noch grünen Blätter. Genaueres darüber steht in meinem Artikel "Über die Ernährung von Wasserpflanzen" im Heft 2 und 3/2003 der Zeitschrift AQUA PLANTA des Jahres 2003. Dieses Gelbwerden der Herzblätter ist dann eben ein Reagenz - ein Anzeiger - für eine Stickstoffvergiftung, während die schönen, bloss nicht so recht gross werdenden Pflanzen ein Reagenz für zu wenig, aber ausgewogenen Dünger sind – wie oben erwähnt wurde. Ein weiteres Reagenz für eine Vergiftung habe ich durch den Umgang mit meinen Kunden kennen gelernt. Es besteht in gestauchtem Krüppelwuchs der Wasserfreundarten (manchmal mit vernarbten Blättern) und beruht auf Vergiftung durch Wasseraufbereitungsmittel. Es geschieht praktisch immer bei Kunden mit zu wenig Fischen, die überdies das Wasser ein- oder zweiwöchentlich wechseln unter Zugabe von Wasseraufbereitungsmitteln. Auch Schwertpflanzen können dabei chlorotisch werden. Einer meiner Kunden, dem das begegnet ist, hat mir später unaufgefordert zwei Fotos seines Aquariums gebracht. Das erste Foto zeigt das Aquarium vor der Beratung, das andere 3 Monate danach. Obwohl die Fotos nicht scharf sind, zeigen sie den Unterschied deutlich: die chlorotischen, gestauchten Kopfpartien des Riesenwasserfreundes und die gestauchten, gelblichroten Herzblätter der linksseitig gepflanzten Echinod. "Indian Red". (Siehe die Bilder auf der nächsten Seite.) Ein anderer Grund für Krüppelwuchs mit "vernarbten" Blattoberflächen – in der Regel ohne Gelbwerden des Herzens oder Kopfes der Pflanzen – liegt darin, dass mit einer Mulmglocke die gesamte Bodendicke durchwühlt wird. Besonders dann, wenn dies öfters geschieht. Und als Weiteres haben wir auch ohne Technik noch einige Reagenzien für örtlich oder zeitlich zuviel eingebrachten Stickstoff durch Kunstfutter, sowie für das Vorhandensein von Vorratsdünger im Boden und das Versagen von Bodenheizungen, und haben des weitern auch eine praktikable Kontrollmöglichkeit über das richtige Mass der Futtermenge. Diese gute Kontrollmöglichkeit liegt in der Verwendung eines Futterringes, der an jener Stelle der Wasseroberfläche schwimmt, an welcher das Futter eingeworfen wird. Solche Futterringe sind leider völlig aus der Mode gekommen oder nur noch in zu kleinen Grössen erhältlich, sodass ich genötigt war, sie selber in zwei Grössen herzustellen (l0 x 15 cm und 15 x 25 cm). Das in einen solchen Ring eingebrachte Flockenfutter verteilt sich nicht mehr über die gesamte Wasseroberfläche. Das Fressgeschehen kann besser überwacht werden und ev. zu Boden sinkende Flocken sind nicht über den ganzen Boden verteilt, sodass sie möglichst alle noch von den Fischen gefressen werden, ehe sie den Schnecken zum Opfer fallen oder sich gar aufzulösen beginnen. Denn eben das Trockenfutter bringt uns ja den Stickstoff ins Wasser. Wird es gefressen, so gelangen nur die Verdauungsreste davon ins Wasser; zerfällt es hingegen im Wasser, so wird nicht nur sein ganzer Stickstoffgehalt frei, sondern auch die Sporen der darin verarbeiteten Algen. Und mit dieser Feststellung sind wir bei den Reagenzien für zuviel eingebrachtes Futter angelangt. Es gibt nämlich nur zwei Algenarten, welche direkt mit der Futtermenge zusammenhängen können. Es sind die Schmier- oder Blaualgen und die Pelzalgen oder Samtalgen, wie wir sie nennen, wobei die erstere ein Reagenz für zuviel Stickstoff aber zugleich auch noch für eine (oft örtlich) zu hohe Eisenkonzentration ist, die aber nur bei künstlichen Eisengaben auftritt. Die Pelzalge hingegen ist nur ein Reagenz für zerfallenes, nicht von den Insassen aufgenommenes Flockenfutter. http://www.aquarium.ch/foren/aquarienforum/download.php?id=3784 Bildtext zu den beiden Fotos. Auch wenn die Fotos meines Kunden leider unscharf sind, so erkennt man doch auf den ersten Blick - besonders im ersten, noch leeren und darum übersichtlicheren Bild, dass viel zu wenig Fische vorhanden sind. Dieser Umstand für sich ergibt aber noch lange keine gelbsüchtigen, gestauchten Köpfe beim Riesenwasserfreund und auch kein derart gedrungenes, gelblich-rotes Aussehen der Herzblätter bei der linken, rotblättrigen Echinodorus. Bei zweimaliger Fütterung täglich und keinem Wasserwechsel vor der Frist von zwei Monaten und vor allem ohne Wasseraufbereitungsmittel (gemäss meinem ihm gemachten Vorschlag, zur Sanierung bei etwa gleich grosser Fischanzahl) ist der Wuchs der Echinodorus nach 3 Monaten noch immer nicht grossartig, ebenso auch nicht jener der Ech. cordifolius in der Mitte. Aber die Blätter sind normal gestaltet und normal farbig, und vom Riesenwasserfreund sieht man die bereits einmal heruntergesetzten obern Stängelabschnitte, aber nun mit schönem, offenem Kopfteil. Kurz, Alle Formen und Farben sind nun normal, aber nicht besonders gross - ein Reagenz für ausgewogene, aber knappe Ernährung. Selbst bei so unscharfen Aufnahmen sind diese Merkmale sofort und deutlich zu erkennen! http://www.aquarium.ch/foren/aquarienforum/download.php?id=3785 Kommt nun ein Rat suchender Kunde zu mir und bringt mir Schmieralgen zur Begutachtung, so gehe ich in meiner Suche nach der Ursache folgendermassen vor. Meine erste Frage lautet: "Wachsen die Pflanzen gut und ist das Aquarium gut, d.h. reichlich bepflanzt?" Wird eines oder beides negativ beantwortet, so weiss ich auch bei Kunden, die ihr Wasser nicht testen, dass sie zuviel Nitrat im Wasser haben müssen, und die weitere Beratung erstreckt sich dann über das Licht, die Bodengrundzusätze und den Sinn der Pflanzen im Aquarium, sowie über die richtigen Verhältnisse, welche die den Pflanzen zugedachte Aufgabe auch wirklich ermöglichen. Wachsen die Pflanzen hingegen gut und sind auch reichlich im Aquarium vorhanden, so lautet meine zweite Frage: "Wissen Sie noch, an welchem Ort des Aquariums diese Plage angefangen hat?" War es unter der Futterstelle, so liegen die Verhältnisse einfach: es war die zumeist andauernde zu reichliche Fütterung der Grund. Das geschieht speziell während den Ferienzeiten durch nachbarschaftliche Ferienaushilfe. War der Entstehungsort hingegen auf den unter der Wasseroberfläche flutenden Pflanzenblättern, so wurde kein Futterring verwendet. In diesem Falle verirren sich die Futterflocken immer wieder auf diese den Fischen nicht zugänglichen Stellen, können darum nicht gefressen werden und zerfallen in dieser dünnen und darum wenig Strömungen ausgesetzten Wasserschicht. Dabei ergibt sich dann eine bloss örtlich beschränkte zu hohe Stickstoffkonzentration, die man im übrigen Aquariumwasser mit Messreagenzien nicht feststellen kann. War der Beginn der Schmieralgenausbreitung hingegen über den ganzen Boden hin verteilt, so trägt normalerweise eine Bodengrunddüngung die Schuld an der Misere. Denn diese Vorratsdüngung fliesst nicht stets in der vom Hersteller vorgeplanten Weise. Manchmal beginnt sie plötzlich schneller zu fliessen. Oftmals ist es aber auch eine Bodenheizung, welche die chemischen Abläufe im Boden durch die wärmebedingte Stimulation der Bakterientätigkeit durcheinander bringt, besonders dann, wenn gleichzeitig Vorratsdünger im Boden verwendet wurde. Solche Böden überziehen sich auch nach einer erfolgreichen Algenbekämpfung immer wieder neu mit Schmieralgen. Es muss also bei gutem Pflanzenwuchs die für die Schmieralgenentstehung erforderliche zu hohe Stickstoff-konzentration örtlich begrenzt und in sehr kurzer Zeit zugenommen haben, weil bei generell und nur langsam sich erhöhender Konzentration als erstes zuerst die Pflanzen chlorotisch werden (d.h. helle, gelbliche bis fast weisse neue Blätter zu treiben beginnen), weil sie schon durch ein geringes Zuviel vergiftet werden, und eine Schmieralgenbildung erst dann, bei noch höherer Konzentration beginnt. Örtlich begrenzt vor allem durch zerfallendes Futter oder verendete grössere Tiere, wie zum Beispiel Fische oder Apfelschnecken, welche unentdeckt im Aquarium liegen bleiben. Zeitlich begrenzt – das heisst in sehr kurzer Zeit überhand nehmend - durch einen unnatürlich raschen allgemeinen Anstieg der Stickstoffkonzentration, sowie es eben vor allem bei unkorrekt fliessendem Vorratsdünger möglich werden kann, oder durch des Nachbars Fütterung während der Ferien. Am Ende sei noch erwähnt, dass durch Pflanzen oder Dekorationsmaterial eingebrachte Schmieralgenkeime auch in einem "gesunden" Aquarium ohne Bekämpfung praktisch nie absterben. Ihre Weiterentwicklung ist hingegen zumeist sehr langsam - es sei denn, die allgemeine Situation eines Aquariums steht kurz vor der Schwelle zu einer Pflanzenvergiftung, also die Stickstoffkonzentration ist stark erhöht, wenn auch für die Pflanzen noch nicht unmittelbar vergiftend wirkend; in diesem Falle wachsen und verbreiten sich eingebrachte Schmieralgen schnell. Klagt mir ein Kunde über seine Schneckenplage - besonders Planorbis (Posthornschnecke) -, so erwidere ich ihm, dass er noch grosses Glück habe und fahre fort: "Denn das ist ein untrügliches Zeichen dafür, dass Sie zuviel füttern! Und das kann weit Unangenehmeres nach sich ziehen als diese Schneckenplage. Denn die einem Laich entschlüpfenden Jungschnecken, können noch keine allzu feste Nahrung - wie Pflanzenblätter oder Algen - verzehren. Sie sind darauf angewiesen, dass Sie als Pfleger des Aquariums ihnen das für sie richtige Futter zukommen lassen. Und das tun Sie offenbar, und zwar mit einem leichten Zuviel von Futter - speziell Flockenfutter. Jene Flocken, die von den Fischen nicht mehr aufgenommen werden mögen, oder die sich bei der Verteilung über die ganze Wasseroberfläche hin und ihrem nachherigen Absinken auf den Boden von den Fischen nicht mehr haben finden lassen, werden durch das Wasser so stark aufgeweicht, dass sie zur vorzüglichen Aufzuchtnahrung für Jungschnecken werden. Aus einem Laich von etwa l00 Körnern wachsen dann 95 bis 99 gross, während bei knapper Fütterung, bei der am Ende keine Flocken mehr übrig bleiben, höchstens drei bis fünf Jungschnecken hochkommen - gerade so viel, dass sie die altershalber Gestorbenen wieder ersetzen können. "Nun", sage ich meinem Kunden weiter, "können Sie nichts anderes tun, als die Schnecken herauszulesen und anschliessend präziser zu füttern. Das Herauslesen können Sie sich dadurch erleichtern, dass Sie abends vor dem Lichtlöschen ein bis drei abgebrühte Salatblätter ins Wasser geben - und zwar in ausgedrückter Form (unter Wasser ausdrücken!), damit sie sofort zu Boden sinken. In der Nacht versammeln sich dann die Schnecken um diesen Schmaus, sodass Sie am Morgen die konzentrierte Menge mit einem Kescher herausheben können. Diese Prozedur, drei bis fünf mal wiederholt, reduziert die Schneckenanzahl ohne allzu grosse Mühe auf ein nützliches Mass. Lassen Sie sich aber ja nicht gelüsten, diese in Ihren Augen lästigen Gäste völlig loszuwerden, denn dann erst würden Sie erkennen, wie nützlich diese Tierchen sind." Einen ganz gegenteiligen Bescheid muss ich jenen meiner Kunden geben, die mir ein mit Pelz- oder Samtalgen überzogenes Blatt bringen mit der Frage, was da zu machen sei. Ob sie vielleicht zu viel Licht hätten. Ihnen sage ich: "Es stimmt zwar, dass ausgerechnet diese Alge nur bei sehr guten Lichtverhältnissen gedeiht, aber das ist nicht der Grund, weshalb Sie zu diesen Algen gekommen sind. Vorerst will ich Sie fragen: haben Sie nie eine Schneckenplage gehabt?" Zumeist bejaht der Kunde das, denn es gibt nur wenige Aquarien, in welchen grundsätzlich keine Posthornschnecken sein können. Zumeist sind es nur Barschenbecken, weil die meisten Barsche diese fressen. Nach einer Bejahung meiner Frage fahre ich folgendermassen fort: "Dann haben Sie wahrscheinlich eine Prachtschmerle gekauft, weil man Ihnen gesagt hat, dass diese die Schnecken fressen würden?" - "Genau so war es!" ist darauf in den meisten Fällen die mit Verwunderung oder Überraschung gegebene Antwort. Und ich erkläre dann weiter, dass sich der Kunde in diesem Falle entweder für die Prachtschmerle entscheiden müsse oder für ein algenfreies Becken. Denn beides zusammen gehe nun nicht mehr. Und erkläre ihm weiter den Grund für die damalige Schneckenplage, bevor er die Prachtschmerle erworben hatte - so, wie ich es vorhin eben beschrieben habe - und füge noch den für den Kunden fatalen Satz bei, dass ausgerechnet nur eben diese Posthornschnecken diese Algen restlos zu vernichten vermögen. Und zwar brauche es für ein l00 l Aquarium etwa 40 Stück oder für ein 250 l Aquarium 12o Stück. Diese grossse Stückzahl ist darum vonnöten, weil diese Algen, die praktisch jedem Algenmittel Trotz bieten, innert drei Wochen gefressen sein müssen, weil bei einer längeren Dauer die noch nicht gefressenen Algen in der Zwischenzeit aussporen würden, sodass an bereits kahl gefressenen Stellen sich wieder Jungwuchs ansiedeln würde. Zwar fressen auch einige Fische diese Algen, wie beispielsweise der Blackmolly. Und sie tun das sogar gewissenhaft, indessen "erwischen" sie die feinsten, nur 2 bis 5 mm langen hellgrünen Algenfäden, die sich wie Rasen oder eben wie die Härchen eines Samtgewebes über die Oberfläche von Blättern und Gegenständen erheben, nie an deren Grund, sodass sie stets nachwachsen, und dadurch einen ebenso unschönen Belag ergeben wie die nicht abgezupften. Die Posthornschnecken hingegen vertilgen sie "von der Wurzel auf", sodass sie nicht mehr sind, und zwar fressen sie dabei regelrechte Gänge durch diese Algenfelder. Diese Gänge werden mit der Zeit stets zahlreicher, sodass am Ende nur noch wenige "Inselchen" dieser Algenfelder übrig bleiben, bis auch diese noch - der grossen Anzahl Schnecken wegen verschwunden sind. Eine Vermehrung der Schnecken ist trotz ihrer grossen Zahl solange nicht mehr zu befürchten, als nach den oben aufgeführten Regeln und über einen Futterring gefüttert wird - möglichst in vielen kleinen Portionen gegeben. Ist eine solche zusammenhängende und umfassende Geschichte nicht viel schöner und das ganze Gemüt belebender und auch ein viel umfassenderer "Ausflug" in den Lebensbereich der Natur, der auch schon hundertfacher Erprobung standgehalten hat, als die toten Zahlen ungezählter Testergebnisse entlang des vor allem kommerziell überaus breitgetretenen, allgemeinen Aquaristikpfades? Während ich die ausgetretenen Pfade zuallermeist von meinen Kunden her kenne, so kennt heute doch kaum einer mehr die natürlichen Wege, die in ihrer Verschiedenheit nicht nur viel erlebnisreicher und interessanter sind, sondern in Bezug auf Sicherheit, Aufwand und Ertrag manchmal von ungeahnter, ja fast unglaublicher Effizienz sein können. So habe ich schon jahrelang bei Schwertpflanzen Zuwachsraten und bei Wasserfreunden Blattgrössen, die selbst Pflanzenzüchter nicht begreifen können. Während nämlich in Liebhaberaquarien die zerfallenden Blätter alle in sich aufgenommenen Stoffe wieder abgeben und damit eine gewisse Konstanz - notabene auch im Kohlenstoffhaushalt - bewirken, kann in einer Pflanzenzüchterei von einer solchen Erhaltung der Stoffe nicht die Rede sein. Denn just dann, wenn die Pflanzen so gross geworden sind, dass sie wenigstens bald einmal ihre ältesten, äussern Blätter abzustossen beginnen, werden sie verkauft. Ich musste also Wege finden, diesen steten Abgang - durch den Verkauf der Pflanzen - so kontinuierlich und so umfassend wie möglich zu ersetzen. Umfassend heisst hier auch, die Stoffe in solchen Verbindungen zu verabreichen, die von der Pflanze einesteils sofort aufgenommen werden können, die aber anderseits das Wasser bis zur Aufnahme weder belasten noch sich von ihm zersetzen lassen. Mit der Zeit brachte ich es fertig, 1,5 cm grosse Nupharsämlinge innert 90 Tagen zu 35 cm grossen Pflanzen zu bringen mit 5 bis 7 fast handtellergrossen Blättern. Mein deutscher Lieferant der Sämlinge stand fassungslos vor meinen Aquarien, als er seine einstigen Sämlinge zum ersten Mal bei mir sah. Er gab an, dass er dazu ein bis anderthalb Jahre brauche. Dennoch bin ich gar nicht ein so genialer und noch weniger ein verbissener Forscher, wie man nun leicht meinen könnte. Den Weg, wie ich dazu kam, will ich im Folgenden genauer beschreiben, damit ersichtlich wird, wie viel eher das aufnahmefähig gebliebene Gemüt die Zusammenhänge erfassen kann, als der noch so fragelustige Verstand. Da ich schon von Anfang an - wie erwähnt - alle meine Pflanzen unter Wasser kultiviert hatte, aber ein schlechter Fischzüchter war, hatte ich oft zu wenig Fische, viel weniger als ich gebraucht hätte (es bräuchte z.B. ein ausgewachsener Blackmolly, Platy oder Schwertträger pro 3 l Wasser). Experimentator war ich eigentlich nie - und ein geborener noch weniger. Deshalb hatte ich ausser meinen Fischen und Pflanzen nur ganz selten andere Aquarienbewohner. Selbst einfache Tiere wie zum Beispiel Apfelschnecken, Garnelen, Muscheln etc.. suchte und pflegte ich anfänglich nie, obwohl sie mir hin und wieder angetragen wurden. Einmal wurden mir Apfelschnecken von einem Kunden förmlich aufgedrängt, sodass ich sie ihm abnahm. Zu einer Zeit als meine Fischanzahl pro Aquarium - bedingt durch laufende Vergrösserung meiner Beckenanzahl - so gering war, dass ich bald einmal um die Zuwachsraten meiner Wasserpflanzen bangen musste, weil gerade nirgends günstige Fische zu beschaffen waren - ich brauchte ja Tausende -, fiel mir in zwei meiner Becken auf, dass die Schwertpflanzen immer schneller zu wachsen begannen, ohne dass ich irgend etwas verändert hatte. Auch ihre Blätter wurden intensiver grün und fast anderthalb ma1 grösser. Die beiden Becken standen aber nicht nebeneinander, sodass ich von ausserhalb der Becken kommende Einflüsse, wie Wärme und Licht etc, ausschliessen konnte. Und am Inhalt habe ich nichts verändert gehabt. Täglich stand ich staunend und fragend zugleich vor diesen beiden Becken, die mit der Zeit selbst meinen damaligen Kunden aufzufallen begannen. Das war vor ungefähr 35 Jahren. Aber ich vermochte nicht zu ergründen, was die Ursache dafür war. Irgendetwas mussten diese Aquarien gemeinsam haben, so verschieden ihre Grössen auch waren. Das sah ich zwar immer wieder und immer deutlicher ein, aber – – was war das, was konnte das nur sein?! Eines Abends stand ich wieder einmal, diesmal mit meiner Frau zusammen, vor den beiden Aquarien. Wieder sagte ich - diesmal zu ihr -: "Irgend etwas müssen doch diese beiden gemeinsam haben, aber was nur?!" Und wie ich das so sagte, sah ich es endlich - sah ich eine Blume blühen auf einem völlig natürlichen aber noch wenig begangenen Pfad. Es waren die Apfelschnecken, die mir damals aufgedrängt worden waren. Ich glaubte zwar kaum, dass es an diesen gelegen sein konnte, aber immerhin - es war eine Gemeinsamkeit. Und da zählt nicht der Glaube, sondern die willige Offenheit auch gegenüber unwahrscheinlichen Möglichkeiten! Nach einigen Wochen steten überdurchschnittlichen Wachstums in beiden Aquarien nahm ich aus beiden je die Hälfte der Apfelschnecken und gab sie zusammen in ein drittes Aquarium mit Echinodorusarten. Auch da setzte nach etwa zwei Wochen ein bisher ungekannt rasantes Wachstum ein. In einem spätern, vierten Aquarium mit Cryptocorynen hatte ich allerdings auch nach längerer Zeit kein erhöhtes Wachstum feststellen können. Es verging noch einige Zeit, bis ich endlich junge Schnecken nachziehen konnte und auf Grund der erweiterten Erfahrungen mit dieser neuen Generation herausfinden konnte, was alles durch sie zu so schnellem Wachstum kam. Es waren vor allem alle Echinodorus-Arten sowie die Sagittaria-Arten, dann Lobelia cardinalis, Nuphar und Nymphaea-Arten, Wasserfreundgewächse, Heteranthera sowie Didiplis diandra (aber dieses nur in Verbindung mit Nuphar). Unter den mir damals bekannten Cryptocorynearten hingegen gab es keine, die mit diesen Apfelschnecken besser wuchs. Heute allerdings zählen wir Crypt. pontederifolia, moehlmannii und vor allem auch eine speziell schöne Form der Crypt. retrospiralis zu den Pflanzen, die durch Apfelschnecken schneller wachsen. Die letztgenannte Art, resp. Form, hat prächtig schmale, am Rande eng gewellte, leicht durchscheinend hell- bis olivgrüne Blätter, ähnlich einer Aponogeton crispus. Vor allem wurde mittlerweile die Futterbeschaffung zum Problem, denn bald einmal hatten wir Hunderte dieser schmucken Tiere. Und mit Trockenfutter alleine liessen sie sich nicht von gelegentlichem Blattfrass abhalten. Wir fütterten daher mit abgebrühten Blättern des Kopf- und Endiviensalates (dem Rüstabfall davon, der kurz überbrüht wurde). Später brauchten wir ganze Köpfe. Man kann diese Salatblätter auch tiefgefrieren; nach dem Auftauen werden sie ähnlich glasig wie überbrühte. Da aber die benötigte Menge stets grösser wurde, suchte ich gegen den Herbst hin nach einem geeigneten Ersatz. Ich probierte es mit Löwenzahnblättern, die allerdings im Herbst nicht mehr allzu reichlich vorhanden waren. Sie wurden gern gefressen, allerdings nicht so gerne wie Salat. Ich suchte nach ergiebigeren Quellen und fand nach Versuchen mit einigen weitern Krautarten endlich die Brennnessel. Die Blätter wurden dabei vom Stängel geschnitten und l bis 2 Minuten gekocht. Das war eine herrliche Speise, an welche sich die Schnecken sofort gierig heranmachten. Sie wuchsen sogar schneller und ihre Wirkung auf die Wuchsgeschwindigkeit und -grösse der Pflanzen war noch ausgeprägter. In den letzten Tagen vor Wintereinbruch ernteten wir (die ganze Familie) noch, was wir finden konnten, um den Winter hindurch genug davon zu haben. Und wir hatten Glück: es reichte gerade bis zum April des folgenden Jahres. Da wir diese Kost nur jeden zweiten Tag fütterten, kam es aber immer wieder vor, dass Echinodorusblätter angefressen wurden. Auch wurden die Schnecken von den Fischen (speziell Lebendgebärende) so sehr geplagt, dass sie eingingen. Mit der Zeit fand ich darum, dass es unter Berücksichtigung aller Umstände wohl besser wäre, die Schnecken separat zu halten, aber natürlich so, dass sie die Pflanzen dennoch düngen können. Ich versuchte mehrere Systeme, bis ich dann nach etwa zwei Jahren eine wirklich patente Lösung entwickelt hatte, die hier abgebildet ist. http://www.aquarium.ch/foren/aquarienforum/download.php?id=3786 BILDLEGENDE 1) Apfelschneckenbehälter oder -käfig für ca. 25 Apfelschnecken, gefertigt aus PVC, mit zwei Seitenwänden, Rückwand und Boden, vorne gegen die Frontscheibe zu bis auf eine kleine Restwand vor dem Exkrementenraum völlig offen. Das obere, zur Verstärkung umgebogene Ende der Seitenwände sowie das gleich hohe Ende der Rückwand müssen, so hoch sein, dass die Deckscheiben des Aquariums die im Käfig frei sich bewegen könnenden Apfelschnecken am Verlassen des Käfigs hindern können. 2) Balkonartige Ausbildung zur Aufnahme des Filtermaterials und seines Schutzes. 3) Exkrementenraum zur Sammlung des Schneckenkotes 4) Tragstege für das Trenngitter 5) Trenngitter aus rostfreiem Drahtgeflecht mit 5,6 mm Maschenweite und einer Drahtstärke von l mm, seitlich eingefasst in Plastik-U-Profil. Es dient dazu, dass die Apfelschnecken nicht über ihren eigenen Kot kriechen müssen, und ist nur 12 mm über dem Käfigboden, sodass der Kot allmonatlich mit einem 16 mm-Schlauch durch das Trenngitter hindurch abgesaugt werden kann. Denn dieser Stoff ist derart aggressiv, dass er nicht allzu lange im Käfig belassen werden darf, da er sonst die Apfelschnecken in ihrer Gesundheit beeinträchtigen würde. Er hat - im Garten angewandt - dieselbe Düngekraft wie Peruguano, ein äusserst wirksamer Dünger aus Vogelexrementen. 6) Schaumstoffstreifen zur Filterung des aus dem Behälter ausströmenden Wassers. 7) Schutzgitter aus rostfreiem Drahtgewebe mit nur 0,6 mm Maschenweite und 0.25 mm Drahtstärke zum Schutze des Schaumstoffes vor Schneckenfrass. Neu eingebrachter Schaumstoff wird zwar von den Apfelschnecken nicht gefressen, aber bereits nach 3 Monaten beginnen sie ihn kontinuierlich bis auf den letzten Rest zu fressen! Das tun sie ebenso gerne, wie sie etwa auch im Aquarium liegen gebliebene Fangnetze aus Baumwollvoile fressen! 8 ) 22 mm grosse Löcher als Durchflussstelle des Wassers nach Durchdringung des Schaumstoffes und des Drahtgewebes. 9) Auffüllloch mit derselben balkonartigen Vorrichtung und derselben Filtereinrichtung auf der Innenseite des Käfigs wie unter Punkt 2, 6 und 7 beschrieben, die beim Auffüllen des Beckens, nach einem Wasserwechsel, schräg nach oben geöffnet werden muss, da sonst der anfänglich noch wasserleere Käfig durch den Auftrieb des steigenden Wassers im Aquarium zu schwimmen beginnt. 10) Mit Luft betriebene Förderpumpe zur Hebung des Wasserstandes im Käfig, sodass der geringe Höhenunterschied zum übrigen Beckenwasserstand das Wasser durch den Filterstreifen zu drücken beginnt. 11) PVC-Rohr mit je einer Mündung unter der Förderpumpe und an der dem Schneckenkäfig gegenüberliegenden Seitenwand, damit das aus dem Käfig herausdringende Wasser langsam über den gesamten Kulturraum der Pflanzen hinweg streicht, um endlich wieder zum Einsaugende des PVC-Rohres zu gelangen, nach dessen Passieren es wieder in den Käfigraum gelangt, wo es von neuem durch die Ausscheidungen der Apfelschnecken mit Nährstoffen angereichert wird. 12) Tüllgewebe aus Kunststoff zur Verhinderung des Eindringens von Fremdkörpern und kleinen Schnecken oder Jungfischchen in das Leitungsrohr. 13) Hartschaumplatte (Styropor), welche die Aufgabe hat, durch ihre zu reichlich bemessene Dicke den vorne offenen Käfig an die Frontscheibe des Aquariums zu drücken. Der Käfig ist gegen die Frontscheibe zu ebenfalls mit Schaumstoff und Fressschutzvorrichtung abgedichtet (auf der Zeichnung aus Gründen der Übersichtlichkeit nicht dargestellt). Die Käfige sind jeweils 17,5 cm breit und so tief und so hoch wie das Aquarium. Für ein 200 l-Aquarium, vollbesetzt mit Schwertpflanzen, gleich welcher Art, braucht es in einem alt eingerichteten Aquarium 15 bis 20 Apfelschnecken, wenn sie in einem Käfig gehalten werden; bei freier Haltung jedoch nur 12 Stück. In neu eingerichteten Aquarien braucht es ca. 25 bis 30 % mehr, um eine gleich grosse Wuchsleistung zu erzielen. (Diese Werte sind nur für Pflanzenzuchtbetriebe wichtig, weil sie zur maximalen Wuchsleistung der Pflanzen notwendig sind. Im Liebhaberbecken reichen normalerweise die Fische aus. Am Ende dieses Berichtes findet der Leser eine Tabelle über die Düngewerte der einzelnen Fischarten. Bis dahin vervollkommneten, wir unsere Brennnesselernte dermassen, dass wir innert 3 bis 5 Tagen im Juni für das ganze Jahr einernten konnten. Wir kannten alle Brennnesselstandorte im Tal, sowohl jene auf Schutthalden in offenem Gelände, wie jene auf den Schuttplätzen im Walde. Im offenen Gelände sind sie zumeist rotstänglig und im Walde grünstänglig. Die rotstängligen brennen entschieden mehr und müssen auch länger gekocht werden, aber als Futter sind beide gleich gut. Wir ernteten an allen Plätzen mit der Sichel, weil wir nur die schönen und gesunden berücksichtigen wollten. Zu Hause wurden die Pflanzen mit Gummihandschuhen ergriffen, mit der einen Hand am Kopfe gepackt, während die andere Hand vom Kopf her abwärts die Blätter samt Blattstielen abstreifen musste; und zuletzt wurde der aus ca. 6 Blättern bestehende Kopf abgebrochen und zu den Blättern gegeben. Die Stängel kamen auf einen separaten Haufen, der am Ende der Ernte über 2 m3 ausmachte. Zu dieser Rüstarbeit hatten wir in spätern Jahren stets Schulkinder eingeladen, die sich damit ein schönes Sackgeld verdienen konnten. Die Kocherei am Herd erforderte zwei Personen. Nach dem Kochen wurden die Blätter mit kaltem Wasser durchspült und in einer Form zu Ballen oder Tafeln verpresst, wobei der Wassergehalt eine bestimmte Prozentlimite nicht übersteigen durfte, weil die Ballen sonst beim Einfrieren unförmig aufgetrieben wurden und dadurch fast das Doppelte an Platz beanspruchen konnten. Immerhin ernteten wir jährlich ungefähr 200 kg Blätter. Die Ballen à 650 Gramm wurden in Plastiksäcke gleicher Grösse geschoben, die nachher verschweisst wurden. Eine solche Tafel reichte gerade für einen Tag. Die Stängel brachten wir jeweils an die Ernteorte zurück und verteilten sie sorgfältig über die gesamte abgemähte Fläche, denn auch die Brennnesseln können von jenen Stoffen leben, die sie selber schon einmal assimiliert haben. Die ganze Arbeit war so idyllisch, häuslich, wie sie sonst höchstens in Heimatromanen geschildert werden kann. Denn anfänglich waren meine beiden Kinder - die grossen Helfer - noch klein, 6 und 8 Jahre alt, und wir hatten noch kein Auto, sodass ich mit Mofa und grossem Veloanhänger ernten musste. Und das Rüsten, bei welchem oft bis zu l0 Kinder nebst mehreren Erwachsenen zusammen kamen, fand im Freien statt; wenn es regnerisch war, unter einem grossen Dachvorsprung und wenn es heiss war, auf der Schattenseite des Hauses. Die Aquarienpflanzen hatten mit dieser Methode ein derart gesundes Aussehen, dass die Nachfrage immer grösser wurde und wohl auch der Wunsch so manches Zoo-Händler-Kunden reifte, selber so produzieren zu können. Indessen plauderte ich nie aus der Schule, und weil unsere Apfelschnecken, die stets grösser waren als alle andern auf dem Markt, ebenso reissenden Absatz fanden, bemerkte niemand den Zusammenhang. Ja, es geschah einmal, dass ein Geschäftsmann, der nebenher - aus seinem Hobby begründet - eine Zoohandlung betrieb und bis dahin seinen ganzen Pflanzenbedarf aus meinen Beständen deckte, den Entschluss fasste, es mir gleich zu tun. Er stellte mit Hilfe seines grossen Kapitals eine Pflanzenzuchtanlage auf, welche der meinen in der Proportionierung der Aquarien und in der Kunstlichtquelle völlig glich, nur dass sie noch grösser war. Ich wusste anfangs nur durch andere Kunden davon. Mit Ausnahme von ein oder zwei Warenhäusern verlor ich aber keine meiner Kunden und in wenigen Jahren wurde sein Betrieb wieder geschlossen. Er hatte bis zuletzt das Gefühl, dass ich "geheime Tropfen" verwenden würde, was mir von einem seiner damaligen Kunden später zugetragen wurde. Er ging mit andern Worten den ausgetretenen Pfad und sah die Schönheit und Nützlichkeit der Natur in ihrer ursprünglichen Form ebenso wenig wie die meisten andern, die stets glauben, dass immer die andern das Geheimnis kennen würden, weshalb sie auch immer auf den ausgetretenen Pfaden der andern sich bewegen und dort suchen, was für sie nicht zu finden ist. Denn das wirklich Befriedigende im Leben eines Menschen ist für einen jeden derart auf seine Person abgestimmt, dass er es auf den Wegen der andern niemals finden kann. Hinweise kann einer durch die Kenntnis oder Mitteilung von andern wohl erhalten, aber der Weg zum vollkommenen Glück muss immer ein eigener bleiben, will einer dieses Ziel auch wirklich erreichen. Ein Hinweis dazu zu geben ist auch der hauptsächliche Grund, weshalb ich nun meine Erfahrungen so leicht und gerne preisgebe. Da ich altershalber nicht mehr allzu lange meine Züchterei betreiben werde, kann mir selber daraus kein Nachteil erwachsen, vielleicht aber vielen andern eine neue Perspektive daraus erwachsen. Gemütreiche Menschen finden dadurch aus dem Walde der tausend Messdaten und Reagenzien vielleicht eher wieder zurück zu ihrer eigenen Fantasie und ihrem ursprünglichen Einfallsreichtum. Ich weiss ehrlich gesagt heute noch nicht einmal, was der Grund dieses wachstumstreibenden Phänomens ist. Liegt es am Kot oder am Schleim der Apfelschnecken, oder an beidem? Wer seine Schnecken frei im Aquarium halten will, muss bedenken, dass ihr schwärzlicher Kot mit der Zeit in den Bodengrund eindringt (bei unserer Kornmischung ca. l cm tief). Diese Schicht muss immer wieder von Zeit zu Zeit mit einer Mulmglocke gereinigt werden, weil sonst der Boden erstickt. Aber ja auf keinen Fall tiefer liegende Schichten mit einer Mulmglocke bearbeiten!! Bevor ich noch näher auf die grosse allgemeine Bedeutung unserer Apfelschneckennahrung eingehe, will ich noch ein Erlebnis mit den Apfelschnecken selber zum Besten geben, das ich schon anfangs - bei der Schilderung einer Erscheinung während des Einsatzes eines UV-Klärers - versprochen habe: Einmal wollten in einem Aquarium die Cryptocorynen aus mir unerfindlichen Gründen nicht mehr so, wie ich es wollte. Ich vernachlässigte darum einige Zeit dieses Kulturbecken, sodass sich bald einmal braune Pinselalgen auszubreiten begannen und innert kurzer Zeit so ziemlich alles überzogen - Blätter wie Gegenstände. Das war der Zeitpunkt, da ich mich entschloss, die Cryptocorynen in diesem Gefäss aufzugeben und durch Schwertpflanzen zu ersetzen. Also gab ich ca 15 Apfelschnecken in das Aquarium und pflanzte an den am dürftigsten mit Cryptocorynen bestandenen Orten einige Schwertpflanzen ein. Denn dieses Vorgehen ist viel sicherer als die radikale Entfernung der Cryptocorynen mit gleichzeitigem Ersatz durch Echinodoren! Nun geschah etwas, das ich in der damals bereits schon etwa 10 Jahre alten Erfahrung in der Apfelschneckenkultur noch nie erlebt hatte: Die Apfelschnecken frassen mir innert 14 Tagen(!!) sämtliche Algen, aber wirklich selbst die allerletzte Pinselalge weg. Sensationell!! (Auch für mich.) Da hatte ich nun ein biologisches Mittel gegen diese lästigen Störenfriede entdeckt. Weil ich hunderte dieser Tiere hatte – alle aus den ehemals einmal erhaltenen gezogen – und noch nie diese Erscheinung beobachtet hatte, nahm ich – der Möglichkeit eingedenk, dass es auch Mutationen bei den Apfelschnecken geben könnte – dieselben Schnecken, die alle Pinselalgen gefressen hatten, und gab sie in ein anderes Becken mit Pinselalgen. Aber diese Schnecken kümmerten sich darin keinen Deut um sie, nicht einmal dann, als ich sie geflissentlich hungern liess. Sie bevorzugten dann eher Pflanzenblätter. Vielleicht war das Klima im Becken schuld, dachte ich, und gab sie in ein weiteres Aquarium, ein kleines, das schon einige Zeit leer stand und darum nur etliche Pinselalgen aufwies. Auch da frassen sie nichts, obwohl ich ihnen jede andere Nahrung so lange vorenthielt, bis sie langsam lethargisch wurden, worauf ich sie wieder als normale Düngelieferanten einsetzte. Etwa 5 Jahre später hatte ich wieder ein ebenso spontanes Erlebnis. Damals gab ich eine Überzahl von Apfelschnecken in ein grosses, im Sommer jeweils leer stehendes Becken, das schon einigen Bewuchs mit Pinselalgen aufwies, um sie dort bis zum Verkauf zu hältern. Diese Schnecken hatten sämtliche Algen nebst ihrer üblichen Brennnesselnahrung innert Tagen bis auf das letzte Härchen gefressen. Auch mit diesen Tieren versuchte ich es in zwei weiteren Becken – ohne jeden Erfolg! Mit der Schilderung dieser beiden Episoden will ich nur aufzeigen, wie schnell ein isoliertes Vorkommnis durch eine zu vorschnelle Veröffentlichung in der Literatur bald einmal verbreitet und darum Allgemeingut werden kann, weil sich immer einer auf den andern bezieht, ohne dass es jedoch einen Bezug zur Normalität hat und damit unwahr wird – so wahr es in seiner Einmaligkeit auch bleibt. Nun aber noch einiges zu jenem Schneckenfutter, für das es genügend Hinweise auf seine Qualität gibt und das nicht etwa bloss Einzelerfolge aufweist: Bei der Verwendung der Brennnesseln als Schneckenfutter in solchen Becken, in welchen die Schnecken nicht eingesperrt waren, haben wir sehr viel über dieses Kraut kennen gelernt. Wir haben gefunden, dass praktisch alle Fische (sogar der rote Neon) äusserst gerne von diesem Futter zehren. Aber die Wirkung des Verzehrs erkannten wir lange nicht. Da kam uns wieder jener Konkurrent zu Hilfe, der eines seiner Aquarien zu zwei Dritteln mit Weisslicht und zu einem Drittel mit rötlich-violetten Licht beleuchtet hatte, ohne zu merken, dass sich ausgerechnet unter rötlich-violettem Licht chlorotische Triebe entwickelten. Er war ja – wie bei der Schilderung jener Gelegenheit erwähnt – eher Fischzüchter und zog einige Pflanzenarten nur nebenbei. Wir aber waren damals noch keine Fischzüchter und hatten daher stets Mühe, genügend Fische von privaten Züchtern zu erhalten. Dabei ergab sich durch ein Gespräch mit ihm, dass seine selber gezüchteten Scalaren, der langen Entwicklungszeit wegen, gegenüber von Importen für den Engrosverkauf viel zu teuer waren. Wir aber suchten Scalaren, weil ihr Kot für die Pflanzenproduktion ertragreicher wirkt als jener vieler anderer Fische. Daraus ergab sich schliesslich eine Produktionsgemeinschaft: Er züchtete Scalaren und zog sie bis zu einer Grösse von maximal 2 cm. Dann brachte er sie uns und wir zogen sie bis zur völligen Laichreife bei uns weiter – völlig gratis, denn wir brauchten ja ihren Kot für die Kultur unserer Pflanzen. Zu diesem Zeitpunkt holte er dann die ausgewachsenen Tiere und ersetzte sie uns wieder mit Jungtieren. Weil er uns jeweils nicht alle Tiere eines Geleges brachte, sondern einen kleinen Teil bei sich behielt, konstatierte er, dass unsere Fische in der gleichen Zeitspanne fast das Doppelte zulegten wie die seinen. Immer wieder fragte er uns, was wir den Fischen fütterten. Wir sagten nach unserer damaligen Erkenntnis: "Nur Trockenfutter". Er hingegen fütterte ausser Trockenfutter immer auch wieder Mückenlarven als Zusatz und kam nie auch nur annähernd auf unsere Resultate. Immer wieder fragte er uns und immer wieder konnten wir nur bestätigen, dass wir bestimmt kein anderes Futter gäben. Einmal allerdings hatten wir ein Gelege erhalten, welches auch bei uns nicht wachsen wollte. Es wuchs eher noch schwächer als der bei ihm verbliebene Rest desselben Geleges. Und wir hatten keine Ahnung, weshalb. Wir hatten die Tiere sicher doppelt so lange wie sonst, bis sie endlich laichreif waren. Sie waren gesund und schön, aber nicht so augenfällig strotzend vor Gesundheit wie alle andern zuvor. Ich weiss nicht mehr, wann genau, aber sicher erst nach längerer Zeit haben wir herausgefunden, dass diese Scalarenbrut nicht in einem Apfelschneckenbecken gross geworden war. Also müssen in irgendeiner Weise die Schnecken vielleicht auch für das Wachstum von Scalaren gut sein? Merkwürdig! Ich schreibe das so, wie es war, damit man sehen kann, dass es weniger ein grosses Licht braucht, um Zusammenhänge zu erkennen, als eine Stetigkeit der Frage – und zwar nicht um des Erfolges willen, sondern vor allem um der Wahrheit Willen, die erst durch eine solche Kontinuität der Frage auch im Ganzen immer mehr erkannt werden kann. Darum kam ich dann endlich darauf, dass es nur die Brennnesseln waren, welche die Schnecken offenbar mit den Scalaren teilen mussten, die sie so stark wachsen liessen und so gesund machten. Weil der Fischgrosshändler und –Züchter mir darin keine Konkurrenz war, machte ich ihn diesmal auf diesen Umstand aufmerksam, was ihn zwar überraschte, aber nicht mehr allzu sehr erfreute, weil er inzwischen schon viel mehr auf Import als auf Nachzucht setzte. Und Import wurde damals – mitsamt den damit eingehandelten Fischkrankheiten – immer mehr zu einem ausgetretenen Pfad. Ich weiss, dass er auf diesem weder reich noch glücklich wurde, denn am Ende hat es auch er mit Pflanzen versucht, aber kaum über zwei Jahre lang. Warum blieb er nicht auf seinem eigenen Weg unter Nutzung all seiner dabei gewonnenen Erkenntnisse? Sicher nur darum, weil das andere ihn lockte, das aufkam, das so leicht mögliche Importieren, das aber oft so grosse Überraschungen in sich birgt. Ein anderer, privater Fischzüchter, dem wir – wie allen unseren damaligen Züchtern – immer im Voraus Absatzgarantie für bestimmte Arten und Mengen gaben, wollte uns einmal 500 Brokatbarben züchten. Er erhielt aber aus seinem Gelege nahezu tausend Jungfische. Da wir zu wenig Platz für sie hatten (sie eignen sich nicht für alle Pflanzen, da sie feinblättrige Arten öfters durch Frass beschädigen), nahmen wir nur die damals garantierten 500 Stück, bemühten uns aber, so schnell als möglich Platz zu schaffen, um ihm auch den fast ebenso grossen Rest abnehmen zu können. Das dauerte etwa vier bis fünf Wochen. Als er die Fische dann brachte, waren sie einiges kleiner und hatten vor allem noch die etwas silbrig-gelbe Farbe frisch polierten Messings – eben noch ihr "Jugendkleid" -, während die unsrigen in derselben Zelt nicht nur grösser wurden, sondern vor allem bereits ein leuchtend volles Goldgelb hatten. Bei diesem Vorfall wussten wir sofort, weshalb. Und mit der Zeit fanden wir, dass gekochte Brennnesselblätter etwas vom gesündesten für alle Fische sind. Sie erhöhen ihre Farbenpracht und machen sie so richtig munter und lebendig. Wie schön doch die Natur eingerichtet ist, dass in ihr gerade die von allen unbeachtetsten Dinge so grosse Wirkungen haben, sodass so manche weniger Bemittelte mit diesen allgemeinen Dingen, auf die niemand achtet, mehr Erfolg, haben als jene, die Unsummen für ihren vermeinten Erfolg ausgeben. Wenn ich etwas von der tiefen Freude und Genugtuung darüber vermitteln, und in der Aquaristik einen gangbaren Weg dazu aufzeigen konnte, so ist mir mein Vorhaben gelungen.
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| Zuletzt aktualisiert am Sonntag, den 30. November 2008 um 07:43 Uhr |
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