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Die drei Abbaustufen des bakteriellen Abbauprozesses im Aquarium
Geschrieben von: Angel   
Samstag, den 29. November 2008 um 12:48 Uhr
oder was hat es mit Ammoniak, Nitrit und Nitrat auf sich

Es sollten immer Messungen von Ammonium(NH4+) / Ammoniak(NH3), Nitrit(NO2) und Nitrat(NO3) durchgeführt werden, da diese Tests Auskunft geben können, ob der Bakterienhaushalt im Aquarium funktioniert oder eine Störung vorliegt. Für die Nitrittests sind die Tröpfchentests von JBL empfehlenswert, da sie bereits in kleinsten Mengen Nitrit nachweisen können. Für die Nitrat und Ammoniak/Ammonium Tests sind ebenfalls Tröpfchentests empfohlen, wobei ich hier keine Qualitätsunterschiede der verschienen Produkte unterschiedlicher Firmen erkennen konnte.


Diverse Bakterien lösen mit ihren Enzymen alle organischen Substanzen wie Futterreste, tote Tiere, Pflanzenreste usw. auf. Diese Eiweisse werden dann von heterotrophen Bakterien zu Ammonium/Ammoniak umgewandelt. Ammonium/Ammoniak wird auch von den Fischen ausgeatmet. Dies ist mitunter ein wichtiger Aspekt, wenn man Fische in Transportbeutel transportiert, die zu klein sind bzw. zu viele Fische in einem Beutel drin sind - die Fische bekommen Sauerstoffmangel und vergiften sich zusätzlich mit Ammoniak.

1. Abbaustufe - Ammonium/Ammoniak NH4+/NH3

Das Ammonium ist somit die erste Abbaustufe im Stickstoffkreislauf und ungiftig, solange der PH unter 7 ist. Je höher der PH-Wert jedoch ist, desto höher ist der Anteil, der als hoch giftiges Ammoniak (anstelle des Ammoniums) vorliegt. Aus diesem Grund sollte man mit dem Ammoniumtest ebenfalls einen PH-Test durchführen. Ammoniak sollte sofort mit Teilwasserwechsel von 80% aus dem Wasser entfernt werden. Das Ammonium ist jedoch auch ein wichtiger Pflanzennährstoff. Ein überdimensionierter Filter in einem gut bepflanzten Becken kann darum eher negative Auswirkungen auf den Pflanzenwachstum haben, in Becken mit nur wenig Pflanzen (z.B. Grabenseebecken) ist jedoch ein überdimensionierter Filter durchaus angebracht. Für einen Anfänger ist es wohl am Anfang noch schwer abzuschätzen welcher Filter nun geeignet wäre. Mit einem normalen Fischbesatz und normaler Bepflanzung sind die im Handel für die jeweilige Aquariengrösse angebotenen Filter meist genau richtig.

2. Abbaustufe - Nitrit NO2

Nitrit entsteht durch den bakteriellen Abbau der Nitrosomonas (Nitrosomas) aus Ammonium/Ammoniak. Nitrit ist wie Ammoniak ein starkes Gift. Die Sauerstoffzufuhr wird blockiert was zu einer Erstickung führt. Bei den Fischen macht sich dies durch eine erhöhte Atemfrequenz bemerkbar, ist die Konzentration vom Nitrit höher, hängt der Fisch mit sichtlicher Atemnot an der Wasseroberfläche. Selbst eine leichte Konzentration von Nitrit ist vor allem für Jungfische gefährlich, da Wachstumsstörungen und irreparable Störungen der inneren Organe geschehen können. Die Konzentration vom Nitrit sollte darum aufgrund des kontinuierlichen Abbaus so gering sein, dass es mit den herkömmlichen Tröpfchentests nicht mehr messbar ist.

3. Abbaustufe - Nitrat NO3

Nitrat entsteht durch den bakteriellen Abbau der Nitrobakter aus Nitrit. Nitrat ist eigentlich ungiftig, sollte jedoch nicht in zu hohen Konzentrationen nachweisbar sein, da es das Wachstum der Jungfische und Pflanzen blockiert, wobei Pflanzen einen Teil vom Nitrat als Nährstoff aufnehmen. Ebenfalls kann es zum Algenwachstum führen. Da die Grenzwerte etwas umstritten sind, wäre ein wöchentlicher Teilwasserwechsel von 1/3 des Beckenvolumens angebracht, bei Becken mit wenig bis gar keiner Bepflanzung (z.B. Grabenseebecken) wäre 50% Teilwasserwechsel wöchentlich empfohlen. Nitrat kann jedoch unter anaeroben Bedingungen (sauerstoffarme Umgebung) abgebaut werden. Allerdings besteht hier wiederum die Gefahr, dass das so das giftige Nitrit wieder produziert wird. Das kontinuierliche Ansteigen vom Nitratgehalt bei niedrigem Ammonium bzw. nicht nachweisbarem Nitritgehalt zeigt den funktionierenden Bakterienhaushalt an.

Wie bringe ich die 1., 2. und 3. Abbaustufe in ein neues Aquarium zum laufen?
In einem neu eingerichteten Aquarium sind natürlich noch keine Bakterien vorhanden, denn diese brauchen ihre Zeit, um sich anzusiedeln. Man sollte sicher 4 Wochen warten, bis man die ersten Fische einsetzt, denn die Nitrobakter und Nitrosomonas brauchen viel Zeit um eine Bakterienkolonie zu bilden bzw. um sich zu vermehren. Man kann durch das "Füttern" des Aquariums mit z.B. Flockenfutter eine organische Belastung erzwingen, was zuerst mal die Nitrosomaskolonie zum Wachstum ermuntert. Ihr Produkt, das Nitrit ist nun im Wasser nachweisbar und erreicht Spitzenwerte, da noch keine Nitrobakter vorhanden sind, die das Nitrit abbauen könnten. Dies nennt man den Nitritpeak. Durch das Nitrit wird nun eine Nitrobakterkolonie zum Wachstum ermuntert. Viele denken sich, nun, ich könnte doch Wasser aus einem anderen Aquarium ins neue Aquarium füllen und habe somit die notwendigen Bakterien drin... funktioniert so leider nicht. Diese Bakterien sind Substratgebunden und die Filter sind meist so konzipiert, dass sie eine grosse Ansiedlungsfläche für diese erwünschten Bakterien bieten. Somit ist auch im Mulm, das ist das braune Zeug das man unter anderem im Filtermaterial findet, voll mit diesen nützlichen Bakterien. Man kann nun Mulm aus einem bestehenden Becken einem neuen Aquarium bzw. dem Filter zuführen und impft so den Filter an, was aber nicht heisst, dass man nachher gleich Fische reintun kann, denn es sind lediglich schon mal mehr Bakterien vorhanden, die unverzüglich eine Kolonie bilden können, was die Wartezeit etwas verkürzt, wenn man diese Bakterien auch fleissig "füttert".

Was kann alles den Bakterienhaushalt stören?
- Sauerstoffmangel, denn die Nitrobakter wie auch Nitrosomas leben in aerober Zone, das bedeutet, dass sie Sauerstoff benötigen.
- antibakterielle od. desinfizierende Medikamente
- das vollständige oder zu gute Auswaschen des Filtermaterials
- wenn die Belastung höher ist, als das Abbauvermögen der vorhandenen Bakterien

Ist der Bakterienhaushalt gestört bzw. Ammoniak oder Nitrit nachweisbar, muss man unbedingt grosszügige Teilwasserwechsel durchführen, bis diese Stoffe nicht mehr nachweisbar sind. Dies ist zwingend notwendig, will man den Tod oder schwere Schädigung der Fische vermeiden. Da ja hier die nötige Anzahl der Bakterien fehlt und man ihnen auch zugunsten der Fische durch die grossen Teilwasserwechsel die Nahrung (Ammonium/Ammoniak und Nitrit) entzieht, werden sie im Wachstum stagnieren. Hier kann man Abhilfe schaffen, indem man sich aus einem funktionierenden Aquarium Mulm besorgt und dieses dem Filter zuführt. Kann man die Fische jedoch in einem anderen Aquarium unterbringen, dann kann man den Teilwasserwechsel so lange weglassen, bis die Nitrosomonas und Nitrobakter durch die hohe Konzentration von Ammonium/Ammoniak bzw. Nitrit selber zum Wachstum angeregt wurden und eine genügend grosse Kolonie gebildet haben. Sobald die Messungen mit Tröpfchentests kein Ammoniak oder Nitrit mehr nachweisen, kann man die Fische zurück setzen, da ja die Bakterienkultur (wieder) gross genug ist, um das Ammonium/Ammoniak und Nitrit effizient zu verarbeiten und auf den wöchentlichen Teilwasserwechsel von 1/3 bzw. 50% des Beckenvolumens zurückkehren.